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Funktelefonie : Das smarte Alltagsobjekt

Mehr als nur ein Statussymbol: Für manche Jugendliche beginnt das Menschsein erst mit dem Smartphone. Bild: dpa

Es hat nicht lange gedauert, bis die kleinen dicken Handschmeichler oder die dünnen Klapphandys, alle mit Netzzugang, zu Alltagsobjekten wurden. Nun werden die ersten Smartphones museal.

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          Einst diente das Handy als Statussymbol, dessen Besitzern gerne unterstellt wurde, sie bezahlten Hilfskräfte, um diese zwecks Simulation von Wichtigkeit in bestimmten Situationen anrufen zu lassen. Popper, Yuppies, Wichtigtuer: das Image der drahtlos Vernetzten war in den Anfangsjahren des mobilen Telefonierens nach 1983 denkbar mies. Das hatte sich schon grundlegend geändert, als 1996 das erste Smartphone auf den Markt kam, mithin ein Mobiltelefon, das viel mehr konnte, als fernmündlichen Kontakt zwischen Menschen herzustellen, nämlich zum Beispiel sich von einer Parkbank aus ins Internet einwählen. „Nokia 9000 Communicator“ hieß das sündteure Gerät, das gewiss den Neid derer erregte, die sich weiterhin per Modem ins Netz begeben und dabei den charakteristischen elektronischen Mundtrommel-Sound ertragen mussten.

          Aber es dauerte nicht lange, bis die kleinen dicken Handschmeichler oder die dünnen Klapphandys, alle mit Netzzugang, zu Alltagsobjekten wurden. Mit den meisten konnte man noch faxen. Und um im Wald an die Information zu kommen, was denn da blüht, musste man viele Tasten drücken und eine umständliche Suche starten, bis ein Ergebnis aufschien. Aber die Dinger wurden immer besser, und schließlich sorgte das iPhone für einen Zeitenwechsel: Alles war in dem handlichen und zudem formschönen Apple-Objekt enthalten – von der Lieblingsmusik über die Bilder vom letzten Urlaub bis zu raffinierten Spielen. Die Zahl der Apps wuchs ins Unendliche, die Mobiltelefone wurden wieder größer, und wer mit ihnen aufgewachsen ist, benutzt sie mittlerweile wie eine künstliche Körpererweiterung – viele scheinen mit ihrem Apparat verwachsen zu sein.

          Nun ruft das Frankfurter Museum für Kommunikation dazu auf, alte Mobiltelefone einzuschicken und die Geschichten zu erzählen, die sich mit ihnen verbinden. So können sie Teil der Sammlung werden. Das Projekt heißt „Smartphone.25 – Erzähl mal!“ Vielleicht auch von der bis heute bedeutsamen Funktion einzelner Modelle als Statussymbole: Für manche Jugendliche beginnt das Menschsein erst mit dem iPhone 12.

          Michael Hierholzer
          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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