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Hessischer Rundfunk : „Wortbeiträge sind vielen so wichtig wie Musik“

Kann HR Kultur bei jungen Hörern mit mehr klassischer Musik punkten? Bild: Ricardo Wiesinger

Die Pläne des Hessischen Rundfunks, seinen Kultursender umzubauen, rufen Kritik hervor. Der Sender verteidigt sich. Denn der HR will junge Hörer anlocken. Kann das ausgerechnet mit klassischer Musik klappen?

          Als eine „Schocknachricht“ wie als „Zukunftschance“ haben die Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks die Ankündigung ihrer Geschäftsleitung aufgenommen, aus der Kulturwelle HR2 vom 1. April nächsten Jahres an eine Klassikwelle zu machen. Vertreter der hiesigen Kulturszene reagierten mit Unverständnis auf die Pläne. Der Hessische Rundfunk sprach dagegen von einer gut vorbereiteten Entscheidung und einem Informationsprozess, bei dem die Mitarbeiter „von Anfang an mitgenommen“ worden seien. Nach Darstellung von Christoph Hammerschmidt, Leiter der Kommunikationsabteilung des Senders, bedeutet die Umstellung keine Sparmaßnahme, sondern ist eine Antwort auf den digitalen Wandel in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, der schwindende Nutzung und Überalterung der Hörer vorgehalten werde.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von den geplanten Änderungen sei die Belegschaft auf einer gut besuchten Mitarbeiterversammlung von Intendant Manfred Krupp, Hörfunkdirektor Dieter Sommer und Fernsehdirektorin Gabriele Holzner unterrichtet worden. Die Stimmung wurde sowohl als „gar nicht so schlecht“ als auch als „von großer Verunsicherung geprägt“ beschrieben. Nach Darstellung des Hessischen Rundfunks wurde schon vor Monaten eine mit zehn Mitarbeitern besetzte „Portfoliogruppe Kultur“ eingesetzt, die den Auftrag hatte, Programmänderungen infolge des geänderten Nutzungsverhaltens der Hörer vorzubereiten, also vor allem auf den weiter geschwundenen Zuspruch zur Kulturwelle HR2 sowie auf das verstärkte Interesse an Internet, Podcasts und zeitversetztem Hören insgesamt zu reagieren. Beispielsweise wird die anspruchsvolle Sendung „Der Tag“ intensiv über Podcast genutzt, vor allem von Hörern unter 35. Für die Arbeitsgruppe konnte man sich über das Intranet bewerben.

          Die Gruppe hat nun den Auftrag bekommen, von August an konkrete Programmvorschläge zu machen, über die in einem fortlaufenden Prozess diskutiert werden soll. Zu klären wäre etwa die Frage, ob populäre Sendungen wie „Der Tag“ oder das Gesprächsformat „Doppelkopf“ künftig im Internet auf hessenschau.de oder im Sender HR-Info eine Heimat finden. Auch Formate wie die Lesung, das „Kulturcafé“ oder „Kulturfrühstück“ stehen in Frage. Hörspiele und die 55-Minuten-Features, sagte Hammerschmidt, könnten vielleicht auch weiter auf HR2 ausgestrahlt werden, die Welle müsse nicht ausschließlich Musik senden. Unter den Mitarbeitern von HR2 ist die Unruhe groß, da derzeit alle gewohnten Strukturen in Frage gestellt sind. Berichtet wird von der Sorge der freien Mitarbeiter um ihre Beschäftigungsmöglichkeiten, aber auch von der Einsicht, dass die lineare, also zeitgebundene Radionutzung überholt sei. Als beruhigend wird hingegen empfunden, dass in der Audiothek gerade die klassischen Formate wie Hörspiel und Feature besonders gefragt seien.

          „Das darf nicht verlorengehen“

          Die Umstellung fällt in eine Zeit, in der vertraute Stimmen und prägende Redakteure des Kultursenders in den Ruhestand gehen oder schon gegangen sind. Bekannte Protagonisten wie Ruth Fühner und Ruthard Stäblein sind in Rente gegangen, die Programmchefin Angelika Bierbaum hat vor kurzem das 65. Lebensjahr vollendet und Hans Sarkowicz, als Autor und Moderator nicht nur eine lokale Größe, ist inzwischen 64 Jahre alt. „Mir gefällt die Entscheidung überhaupt nicht“, sagte der Frankfurter Verleger Joachim Unseld: „Ich bin sehr unglücklich.“ Er halte die Pläne der Geschäftsleitung für ebenso fragwürdig wie die Berufung des Senders auf die Empfehlungen der Arbeitsgruppe.

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