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Beschränkte Besucherzahlen : Weniger Theater für mehr Theater

Beschränkt: Auch die Komödie in Frankfurt muss mit dem Corona-Modus leben Bild: Esra Klein

Für Theater gilt es endlich eine Regelung zu finden, die ein besonnenes Hochfahren der Kapazitäten erlaubt. Ein Sitz frei nach jeder Seite und eine Maske für den Kunstgenuss klingen machbar.

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          In Wiesbaden macht ein Vierspartenhaus dicht, weil die Theaterleitung behauptet, anders gehe es nicht. In Frankfurt genehmigt das Gesundheitsamt ein sogenanntes Schachbrettsystem für die Sitzplätze der Städtischen Bühnen, um es gleich darauf wieder zurückzuziehen – es war juristisch nicht abgeklärt. In den vergangenen Tagen war ziemlich viel Theater um das Theater. Mit Aktionen, die für Unsicherheit bei Publikum und Theatermachern gleichermaßen sorgen.

          Immer geht es darum, mehr Plätze besetzen zu können, als derzeit möglich ist. Denn vor maximal einem Viertel der Zuschauer zu spielen, ist von der Bühne aus betrachtet eine traurige Sache, von der Kasse her auch – und es macht vielen Zuschauern einfach keinen Spaß, vereinzelt im Raum zu sitzen. Mehr noch als die von der öffentlichen Hand finanzierten Häuser leiden die freien Theater unter den geltenden hessischen Corona-Regeln.

          Konflikt mit der Dienstherrin

          Dass der Wiesbadener Intendant Uwe Eric Laufenberg auf seiner Interpretation der Zahlen beharrte und den offenen Konflikt mit seiner Dienstherrin, der Kunstministerin, suchte, war allerdings eine unkluge Reaktion. Der Feuereifer für die Kunst und für mehr Wirtschaftlichkeit bei der Auslastung in allen Ehren – aber wenn ein Haus die gute alte Regel „Der Lappen muss hochgehen“ fahrenlässt, ist das ein Signal, das schrill in den Ohren klingt. Erst recht, wenn der Intendant zuvor auch in Videobotschaften eine überaus kritische Haltung zu den Corona-Maßnahmen an den Tag legte. Und sowieso, wenn ein Haus ohnehin schon in einer Ausnahmesituation arbeiten muss und dazu, wie es bekannt ist, sehr kontroverse Meinungen innerhalb der Belegschaft über den Umgang mit Corona für Unruhe sorgen.

          Die Theaterleitung sieht sich im Recht, das Ministerium auch. Besser wäre es, endlich eine Regelung zu finden, die ein besonnenes Hochfahren der Kapazitäten erlaubt. Ein Sitz frei nach jeder Seite und eine Maske für den Kunstgenuss klingen machbar – und wenn es dafür einer Studie bedarf, sollte sie schnellstens veranlasst werden.

          Neues Hygienekonzept des Staatstheaters vorläufig genehmigt

          Das Hessische Staatstheater in Wiesbaden kann auf Grundlage eines überarbeiteten Hygienekonzepts den Spielbetrieb vorläufig wieder aufnehmen. Das teilte die Stadt Wiesbaden am Montag mit. Am Dienstagabend soll das Theaterstück „Casino“ gezeigt werden, wie das Staatstheater ankündigte. Laut Theaterleitung sieht das neue Hygienekonzept einen Abstand von 1,5 Metern zwischen den Gästen vor. Es erlaube 298 Zuschauer im Großen Haus und 77 im Kleinen Haus. Wie die Stadt mitteilte, wird das Gesundheitsamt die Umsetzung des Hygienekonzepts vor Ort überprüfen und es danach gegebenenfalls endgültig freigeben.

          Nach einem Streit zwischen der Theaterleitung, dem Wiesbadener Gesundheitsamt und dem hessischen Kunstministerium über das Corona-Hygienekonzept hatte das Theater Ende vergangener Woche den Spielbetrieb kurzfristig eingestellt. Eine Premiere wurde abgesagt. Die Stadt erklärte am Montag, es habe um die Frage des Mindestabstandes ein „Missverständnis“ zwischen Theaterleitung und Gesundheitsamt gegeben.

          Nach Angaben der Stadt hatte das Staatstheater dem Gesundheitsamt bereits Mitte September zwei Hygienekonzepte vorgelegt. Ziel beider Konzepte sei es gewesen, bis zu 500 Gäste im Großen Haus empfangen zu können. Laut der hessischen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung seien Theatervorstellungen mit mehr als 250 Zuschauern jedoch nur zulässig, wenn die zuständige Behörde eine höhere Teilnehmerzahl gestatte.

          Voraussetzung sei, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werde, teilte die Stadt mit. Dies sei mit den Konzepten nicht erreicht worden. (lhe)

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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