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„Weltmusik im Palmengarten“ : Die Lebensfreude der Karibik

  • -Aktualisiert am

Partylaune: das „Garifuna Collective” und Sängerinnen der „Umalali”-Gruppe Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Instrumentensoli bleiben rar beim ersten Konzert der Reihe „Weltmusik im Palmengarten“: Dem „Garifuna Collective“ geht es nicht um die Virtuosität der Einzelnen, sondern um ein gemeinsames Vergnügen.

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          Es kommt nur noch selten vor in der globalen Weltmusik, dass ein regionaler traditioneller Stil plötzlich international entdeckt wird. Schon 2001 nahm die Unesco Sprache und Musik der Garifuna in ihre Liste der immateriellen Kulturerbe auf. Die Vorfahren der Garifuna kamen im 17. Jahrhundert aus Westafrika und vermischten sich in Mittelamerika mit den Kariben. Heute lebt das kleine Volk entlang der Küste in Belize, Guatemala und Honduras – und in den Vereinigten Staaten.

          Voriges Jahr wurde der Sänger Andy Palacio dann mit seiner Band „The Garifuna Collective“ von der Weltmusik-Messe „Womex“ für seine Verdienste um die Erhaltung der Kultur ausgezeichnet. In der Folge begeisterten sich internationale Medien, wurden Tourneen nach Europa geplant. In den Vereinigten Staaten war Palacio bereits relativ bekannt, zumal er dort schon früher als exotischer Rockmusiker aufgetreten war, ehe er sich mit den eigenen Wurzeln beschäftigte. Wer den Bandleader zuletzt live erlebte, berichtet von einer Persönlichkeit mit Glamour und Charisma. Die Erfolgsgeschichte endete jäh im Januar, als Andy Palacio mit 47 Jahren unerwartet einem Herzinfarkt erlag.

          Unausweichlicher Swing

          Nun ist das Garifuna-Kollektiv also mit neuen „Anführern“ auf Tournee, verstärkt durch zwei Sängerinnen der Frauengruppe „Umalali“. Natürlich widmet das Ensemble auch im Frankfurter Palmengarten Andy Palacio mehrere Songs, ein melancholisches Requiem ist der Auftritt des Nonetts aber nicht. Von Anfang an entwickelt die Musik einen dezenten, gleichwohl unausweichlichen Swing, der sich im Lauf des Konzerts immer weiter verdichtet. Dafür genügen zwei massive Trommeln und rasselnde Maracas, die sich mitunter in Polyrhythmen verflechten, verstärkt durch repetitive Muster von ein bis zwei E-Gitarren oder fließende Linien einer Akustikgitarre.

          Auf ihr gestattet sich Aurelio Martinez, neben Lloyd Augustine Hauptsänger der Band, zuweilen eine längere Improvisation. Ansonsten bleiben Soli der Instrumente rar. In der ursprünglichen und bodenständigen Musik der Garifunas geht es offenkundig nicht um die Virtuosität der Einzelnen, sondern um gemeinsames Vergnügen. Ein geradliniger Bass und relativ schlichte Melodien machen es auch westlichen Zuschauern leicht, sich von Songs im „Punta“- oder „Paranda“-Stil verführen zu lassen. Konsequent schließen sich alsbald nach der Pause die Reihen gut gelaunter Tänzer vor der Bühne.

          Als Chor ordnen sich die beiden Sängerinnen meist den Männern unter, in ihren relativ knapp bemessenen Soli leben intensive Balladen und Hymnen der Garifuna-Frauen auf, die als die wahren Traditionshüter gelten. A cappella oder mit Begleitung erinnern Stücke von Desere Diego und Sofia Blanco an archaische Gruppengesänge, zumal sie auf kunstvolle Verzierungen, expressive Aufschwünge oder komplexe Mehrstimmigkeit verzichten. Ihre nasalen Stimmen klingen in manchen Ohren melancholischer, als sie vermutlich sein wollen, jedenfalls lassen sie das Publikum ein wenig innehalten.

          Besinnen auf die afrikanischen Ursprünge

          Das Umalali-Projekt der Diven hat eine eigene lange Geschichte, es wurde von Andy Palacios Produzent Ivan Duran schon 1997 initiiert. Seinerzeit begann Duran durch Dörfer zu ziehen und den überlieferten Liedern der Frauen nachzuspüren. Mit dreizehn von ihnen produzierte Duran ein unlängst erschienenes Album, auf dem die Perkussionisten Joshua Arana und Rolando „Chichiman“ Sosa sowie der Gitarrist Al Ovano aus Palacios Band mitspielen, die nun auch auf der Bühne stehen.

          Die Live-Fusion der beiden Projekte funktioniert im Palmengarten nicht immer ganz reibungslos, Stimmen und Stimmungen des Garifuna Collective und von Umalali scheinen bisweilen relativ konträr. Gegen Ende ist das weite Rund um die Konzertmuschel dennoch in Partylaune, zumal die Band immer stärker afrikanische Ursprünge in Frage-Antwort-Chören, Slogans und Musik betont. Zwischendurch klingen auch lateinamerikanische Stilistiken an, insgesamt vermittelt das Ensemble karibische Lebensfreude jenseits der Klischees von Reggae, Rumba oder Salsa.

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