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Weltkulturen Museum : Kultur, Grün, hohe Häuser

Drei Villen am Main: das Weltkulturen Museum am Museumsufer Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Weltkulturen Museum erhält eine Dependance im geplanten Helaba-Hochhaus. Die neue Kulturmeile soll als städtischer urbaner Raum angereichert werden.

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          Die Frankfurter ethnologische Sammlung, die zum allergrößten Teil in Depots lagert und zu einem verschwindend geringen in drei Villen am Sachsenhäuser Museumsufer zu sehen ist, gehört nach Meinung vieler Fachleute zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland. Dafür angemessene Ausstellungsräume zu schaffen ist eine Forderung, die nun schon seit vier Jahrzehnten erhoben wird. Aber immer wieder scheiterten die oft schon weit vorangeschrittenen Planungen, einen Neubau für die einst Museum der Völkerkunde genannte Institution zu errichten, an finanziellen Nöten der Stadt. Allerdings auch am politischen Willen und einem mangelnden Engagement der Bürgerschaft, deren Interesse sich vor allem auf die großen Kunstmuseen richtete. Dabei hatte Hilmar Hoffmann, als er die Idee des Museumsufers entwickelte, das Völkerkundemuseum nicht etwa als Schlussstein im Sinn, sondern als architektonischen Auftakt des ehrgeizigen Projekts.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit seiner Aneinanderreihung renovierter Landhäuser, die sich einst Patrizierfamilien am südlichen Mainufer errichtet hatten, und architektonischer Solitäre namhafter internationaler Gebäudeplaner hat der frühere Frankfurter Kulturdezernent ein einzigartiges Vorhaben verwirklicht. Noch kurz vor seinem Tod nannte er den Neubau des Weltkulturen Museums als dringlichste kulturpolitische Aufgabe. Wenn er nicht am Anfang gestanden habe, so müsse er doch das Ende der noch nicht abgeschlossenen Kulturmeile am Fluss bilden.

          Eine neue Kulturmeile

          Eine von Hoffmanns Nachfolgerinnen im Kulturdezernenten-Amt, Ina Hartwig, hat am Mittwoch verkündet, dass das Museum immerhin eine Dependance erhalten wird. Und zwar in einem Viertel, das sie und Planungsdezernent Mike Josef als eine neue Kulturmeile verstanden wissen wollen. In den Wallanlagen zwischen Städtischen Bühnen und Alter Oper, in einer von Hochhäusern geprägten urbanen Situation, mitten im Bankenviertel sehen sie jetzt schon ein auch von der Kultur wesentlich geprägtes innerstädtisches Gebiet. Nicht mehr wie noch vor 20, 25 Jahren sei die Skyline ein in sich geschlossenes Gebilde. Die Hochhäuser hätten sich vielmehr geöffnet. Beispielhaft für eine veränderte Atmosphäre sei das MMK 2, der Ausstellungsort des Museums für Moderne Kunst im Main Tower mitsamt seinem Café.

          Eine weitere Aufwertung der Innenstadt erhoffen sich die sozialdemokratischen Stadträte vom Helaba-Gebäude, das dereinst nicht nur Büros beherbergen, sondern in seinen fünf unteren Etagen auch das öffentliche Leben bereichern soll. In der Sockelzone, in die ein historischer Altbau miteinbezogen wird, soll eine Mischnutzung für Flair sorgen. Zum internationalen Anspruch der Stadt und der Helaba, einer staatlichen Geschäftsbank, passen die Weltkulturen nach Ansicht der Akteure optimal. Die Entscheidung hatte einen langen Vorlauf, dafür soll sie umso nachhaltiger sein. Daran ließen Christian Schmid, Vorstandsmitglied der Landesbank, und die Politiker gestern bei der Vorstellung ihrer Pläne keinen Zweifel.

          Eine Verbesserung der Urbanität willen

          Die Stadt hat die Bauvoranfrage positiv beschieden. Wann der schon 2001 fertiggestellte Entwurf von KSP Engel Architekten in die bauliche Tat umgesetzt wird, vermochte niemand zu sagen. Erst recht nicht, wann mit dem Einzug des Weltkulturen Museums im neuen Hochhaus zu rechnen ist. Alle hoben hervor, dass ihnen die Verbindung zwischen Hochhaus-Zeile und Wallanlagen, Wirtschaft und Kultur besonders am Herzen liege. Um einer Verbesserung der Urbanität willen.

          Für das Weltkulturen Museum ist es ein Fortschritt: Endlich wird es in der Lage sein, auch Objekte zu zeigen, die aus konservatorischen Gründen in den Villen am Schaumainkai nicht ausgestellt werden können. Dort fehlt es unter anderem an einer Klimaanlage, um empfindliche, aus natürlichen Materialien hergestellte Werke zu zeigen. Das Haus plant schon jetzt: In Sonderausstellungen mit jeweils längeren Laufzeiten sollen die Sammlungsbestände nach und nach vorgestellt werden. Museumsdirektorin Eva Raabe sieht das Weltkulturen-Labor, das den Besuchern einen unmittelbaren Umgang mit Exponaten erlaubt, künftig ebenfalls im Helaba-Turm.

          15 Jahre lang kann das Museum mietfrei die 900 Quadratmeter Ausstellungsfläche nutzen, um dem Publikum Kult und Kunst, Alltag und Rituale von Kulturen aus Afrika, Ozeanien, Südostasien und ganz Amerika nahezubringen. Mit moderner Museumstechnik. Und Fragestellungen, die gerade in der internationalsten deutschen Stadt Einheimische und Zugezogene bewegen. Ein Ersatz für einen Neubau sei der Museumsableger nicht, sagte Hartwig. Aber er biete viele Möglichkeiten. Etwa die Chance, neue Besuchergruppen anzusprechen.

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