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Märchen für Erwachsene : Weltenflucht à la Tucholsky

Tucholskys „Träumereien an preußischen Kaminen“ ist vor 100 Jahren erschienen (Symbolbild). Bild: Picture-Alliance

Weltenflucht scheint in Mode zu sein, ist aber längst kein neues Phänomen. Tucholskys „Träumereien an preußischen Kaminen“ ist komisch, surreal und bissig. Vor 100 Jahren sind seine Märchen für Erwachsene als Buch erschienen.

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          Die Weltenflucht ist immer mehr in Mode gekommen, aber niemand flüchtet richtig. Das dilettantenhafte Herumwirtschaften in der Einsiedlerei ist ein Greuel, und haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, demselben zu steuern“, sagt der Herr Direktor Poestbein. Weltenflucht kann man heute den ganzen Tag digital betreiben, auch wenn man glaubt, man sei der Welt so viel näher als ehedem. Dann vielleicht doch die Einsiedlerschule auf „Solitaire“, mit Kursen in Versuchung für fortgeschrittene Eremiten?

          Kurt Tucholsky (1890–1935) war kein Typ, vor der Welt zu fliehen oder die Augen vor der Realität zu schließen. Wenn man seine Beiträge in der „Weltbühne“ aus den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren liest, erschrickt man fast darüber, wie ähnlich sich manches dem ausmacht, was heute passiert. Von der Verächtlichmachung der Demokratie und des Parlaments bis zu den Zusammenstößen von rechts und links auf der Straße, Tucholsky hat scharf beobachtet und ebenso scharf geschrieben. Er hat auch danach gefragt, woher die damaligen politischen Entwicklungen kamen. Eine lohnenswerte Lektüre in diesen Tagen.

          Bis zur Kenntlichkeit verkleidet hat Tucholsky die preußisch-deutsche Realität in seinen „Träumereien an preußischen Kaminen“, die nicht so bekannt sind wie seine Romane und politischen Essays. Da gibt es einen Wald voller Räuber, die alle einen Räubererlaubnisschein besitzen und abends im Räubergesangsverein das freie, wilde Leben besingen. Es gibt einen städtischen Oberzauberer, der seine Pflicht tut und Steuern zaubert. Und eben jene Einsiedlerschule, die der Ich-Erzähler aber doch wieder gegen die „böse, böse Welt“ tauscht. Überbordend komisch sind diese Märchen für Erwachsene, surreal und bissig. Vor 100 Jahren sind sie als Buch in Berlin erschienen.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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