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Schwarz-Grüne Landesregierung : Keine kulturpolitische Farbenlehre

Ein Tätigkeitsfeld von Angela Dorn: Die Frankfurter Städelschule Bild: Wonge Bergmann

In der neuen Landesregierung ist Angela Dorn für die Kultur zuständig. Nicht gerade ein Gebiet, das als ureigenes Terrain der Grünen gilt. In Frankfurt sorgten sie sogar gelegentlich dafür, dass manche Pflanze darauf nicht gedieh.

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          Wenn es darum geht, ein Symbolbild für die grüne Kulturpolitik auszuwählen, gerät man in Versuchung, nach einem Bild aus einem Makramee-Kurs oder einer Bauchtanzgruppe zu suchen. Häkeln, Stricken, Stadtteilfest mit mulikulturellen Küchenspezialitäten ginge auch, schießt es einem durch den Kopf. Ein böses Klischee. Das längst jede Berechtigung verloren hat, falls es jemals eine hatte. Irgendwie aber auch liebenswert daherkommt. Und das, so scheint es, ist doch immer noch ein grünes Ideal: Kultur für alle, von allen, inklusiv, niederschwellig, alternativ, unbürgerlich, entspannt, im Prinzip feministisch, allen möglichen Minderheiten und ihren Ausdrucksformen zugewandt.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Als die Grünen sich an Regierungen zu beteiligen begannen, machte die Anti-Establishment-Haltung ziemlich schnell einem pragmatischen politischen Stil Platz, der sich am Machbaren orientierte. Aber sie veränderten die politische Kultur. Eine kulturpolitische Vision freilich entwickelten sie nicht. Die bürgerliche Welt, der sie entstammten, blieb in gewisser Weise ihr Feindbild. Der von einer Politikerin der Partei Anfang der neunziger Jahre in die Welt gesetzte Kampfruf "Die Kultur muss bluten!" verfolgt die Frankfurter Grünen, die hier seit 1989 mit kurzer Unterbrechung im Magistrat sitzen, bis heute. Gemeint waren die großen Institutionen, die unter der Ägide des SPD-Dezernenten Hilmar Hoffmann errichtet, erweitert, gepflegt worden waren, Museen, Theater, die als Konzerthaus wiederaufgebaute Alte Oper.

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