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Ohne Handy im Urlaub : Digital Detox

Ohne digitale Rückversicherung aufbrechen: Das Handy zwischendurch einfach mal liegen zu lassen, hat viele Vorteile. Bild: dpa

Wie befreiend, das Handy im Urlaub einfach mal liegen zu lassen! Im Normalfall geht die Welt ja doch nicht unter, nur weil das Gerät ein paar Stunden zuhause in der Schublade schlummert.

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          Das günstigste Reiseziel hatten wir uns nicht ausgesucht: ein Espresso für vier Franken, ein Einkauf beim Bäcker 40 Franken, ein Restaurantbesuch nicht unter 100 Franken. Eine ordentliche Portion Schmerzfreiheit, was das Geldausgeben angeht, schadet beim Schweiz-Urlaub nicht.

          Ein bisschen gegeizt haben wir dann aber doch, nämlich den Schalter in den Smartphone-Einstellungen auf „Roaming aus“ geschoben. Denn natürlich kostet auch der Gebrauch mobiler Daten im Land der Eidgenossen ein Heidengeld. So waren wir, bis auf die paar Momente auf unserer Tessiner Berghütte, in denen sich das Telefon ins italienische Netz eingewählt hatte, ganz und gar analog unterwegs. Und das, damit hätte ich niemals gerechnet, war ein unglaublicher Segen.

          Über Menschen, die im Urlaub „Digital Detox“ betreiben, die davon schwärmen, dass ihre entlegene Unterkunft am idyllischen See ganz „ohne Netz“ auskommt, habe ich bislang immer gespottet, die Chose kam mir affig vor.

          Doch auf einmal genoss ich es, den Weg zu einer Sehenswürdigkeit nicht sofort per Navi-App zu suchen, die Entscheidung, zur Badebucht zu fahren, nicht vom Starren auf die Wetter-App abhängig zu machen, Restaurants nicht danach auszuwählen, was bereits auf Tripadvisor über sie geschrieben wurde. Mich hat das unheimlich entspannt, ich fühlte mich, so pathetisch darf man das wohl sagen, eine ganze Spur freier.

          Seitdem bin ich überzeugt: Das Handy liegen lassen, ohne digitale Rückversicherung aufbrechen, das sollten wir viel häufiger tun. Denn im Normalfall geht die Welt ja doch nicht unter, nur weil das elektronische Gerät zu Hause ein paar Stunden ausgeschaltet in der Schublade schlummert. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, merkt man schnell, dass es einen lässiger und ausgeglichener macht, dass man, wenn das Smartphone mal aus bleibt, seine Umgebung anders, neu, unbedarfter entdeckt. Geiz ist manchmal eben doch geil.

          Alexander Jürgs

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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