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Künstlerische Weltreise : Graffito aus dem 3D-Drucker

Haps: Maren Flößers „Eat Me - Feed Me“, Mixed Media, 2016, im Weltkulturen-Museum Bild: Reinhard Wanzke

Frankfurt, Kampala, New York: „Sammlung als Erzählung. Wanzkes künstlerische Reise um die Welt“ im Frankfurter Weltkulturen-Museum.

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          Die Globalisierung, gewiss, ist auch in der Kunstwelt allenthalben zu spüren, mehr noch: Sie ist geradezu deren Inbegriff, kennen doch Künstler und Kunstvermittler keine Schranken, kommunizieren über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg, verstehen sich als internationale Gemeinschaft und sind selbst in den hintersten Winkeln des Planeten noch auf irgendeine Weise der westlichen Moderne verpflichtet, wenn sie ernstgenommen werden und nicht als Produzenten von Folklore abgetan werden wollen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Und doch gibt es, je nach Region, Unterschiede, Eigenheiten, spezielle Fragestellungen, vor allem aber aus der jeweiligen Tradition gespeiste ästhetische Formen und Ausdrucksweisen, die eine Differenz ausmachen. Zudem besteht ein großer Unterschied, was die Künstler- und Galeristenszene angeht, ob man sich in einer Großstadt der nördlichen Hemisphäre befindet oder beispielsweise in der ugandischen Metropole Kampala. Aus der Spannung zwischen einer Kunst, die sich als universell versteht, und den Bedingungen an Ort und Stelle, die sich in den Arbeiten niederschlägt, lebt die Ausstellung „Sammlung als Erzählung. Wanzkes künstlerische Reise um die Welt“ im Frankfurter Weltkulturen-Museum.

          Es begann in Deutschland

          Wanzke, das ist der in Frankfurt lebende Künstler Reinhard Wanzke, der auf einer Weltreise 2016/2017 sechs mal sieben Werke sammelte. Begonnen aber hat das Ganze in Deutschland, wo er befreundete und mit ihm bekannte Künstler aus Kassel und Frankfurt bat, ihm Werke zur Verfügung zu stellen.

          In der Schau wird ausführlich erzählt, wie er in den einzelnen Ländern nach Arbeiten gesucht hat, wo er sie fand und in welchen Räumlichkeiten er sie in den jeweiligen Städten ausstellte. Denn auch dies gehörte zu seinem Konzept: Ausstellungen einzurichten, in denen er das Material, das er bis dahin zusammengetragen hatte, arrangierte.

          Maler, Zeichner, Street-Artist

          Die erste Präsentation dieser Art fand am 11. November 2016 in Wanzkes Wohnung in Frankfurt statt, in der Folge flog er nach Uganda, Australien, Malaysia, China, Kanada und in die Vereinigten Staaten. Der Künstler nutzte bestehende Kontakte, knüpfte viele neue, wurde von einem zum anderen Maler, Zeichner, Street-Artist weitergereicht, sprach hier mit einem Kunstkritiker, besuchte dort eine Ausstellung lokaler Akteure, und einmal ließ es sich nicht vermeiden, dass er ein Graffito mittels eines 3D-Druckers nachschaffen musste, um auf die entsprechende Zahl an Werken zu kommen.

          Auch sieben Damenhandtaschen der Firma Ferragamo sowie, wenn wir das recht überblicken, auch sieben Kopien derselben spielten bei dieser weltumspannenden Aktion eine Rolle, in ihr wurden die Kunstwerke der einheimischen Künstler versteckt, wenn Wanzke seine Ausstellungen kuratierte. Die Taschen gaben daher auch das Format der Werke vor: Sie mussten hineinpassen und waren deshalb einigermaßen leicht zu transportieren. Die Schau verlangt von den Besuchern, ziemlich viel Text zu lesen, die Erzählung überlagert die bildende Kunst und legt sich wie ein Gewebe, dessen Fäden nicht mehr zu entwirren sind, darüber. Was einen allerdings nicht daran hindert, sich an einzelnen Arbeiten zu erfreuen wie dem Wellensittich im Gebiss von Maren Flößer oder der Malerei auf Reispapier von Shengyang Ling, in der sich der europäische Tachismus mit der chinesischen Tradition aufs Wunderbarste zu mischen scheint.

          Die Öffnungszeiten

          Die Ausstellung ist im Weltkulturen Museum, Schaumainkai 29–37, Frankfurt, bis 19. Mai zu sehen und dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet.

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