https://www.faz.net/-gzg-vxjs

Puppen im Theaterhaus : Wachsen und warten

  • Aktualisiert am

Das Frankfurter Theaterhaus zeigt das brasilianische Märchen „Der kleine Herr der Zeit“ von Raphael Judice. Regisseurin Christiane Zanger setzt auf die Magie der Bilder.

          1 Min.

          Das Wachsen, in der kindlichen Erwartung stets mit Stärke, Gleichberechtigung und dem angemessenen Platz in der Gesellschaft verbunden, ist zentrales Thema von Märchen und Kindergeschichten. In „Der kleine Herr der Zeit“ von Raphael Judice stehen vor diesem ersten Lebensziel nicht die drei klassischen Aufgaben, nicht der Kampf mit dem starken Riesen oder dem verschlagenen Zauberer. Es ist allein eine Pflanze, die der junge Held Berimodo vor Augen hat: Erst wenn aus der Pflanze ein Baum geworden sei, könne Berimodo mit den Erwachsenen auf die Jagd.

          Die deutsche Erstaufführung des brasilianischen Kinderstücks hat das Theaterhaus Frankfurt in die Hände ihres neuen Puppenspielerduos Birte Hebold und Marius Kob gelegt. Die haben gewiss kein leichtes Spiel mit einer Erzählung, die zur Geduld mahnt und mit ihrer Erzählweise die kindlichen und erwachsenen Zuschauer gleichermaßen zur Geduld nötigt. Weder geben Bedrohung und Kampf dramaturgische Würze, noch kann man sich mit den Figuren solidarisieren, weil Spott und Sprachwitz dazu auffordern. Regisseurin Christiane Zanger setzt auf die Magie der Bilder.

          Formen und Farben

          Diese sind in dem Stück, bei dem die beiden Puppenspieler gleichberechtigt mit ihren Figuren und anderen Objekten auftreten, geometrisch angelegt: Gespielt wird auf zwei rechteckigen Podesten in der Horizontalen und einem hängenden Bambuswald in der Vertikalen. Der klaren Formensprache entsprechen die Farben: Die Figur Berimodo ist leuchtend rot gekleidet, die kleine Pflanze grün, der Wind geistert als Welle aus weißen Papierfasern durch den schwarzen Raum.

          Körperlich gewachsen ist Berimodo am Ende des Stückes nicht. Verhandelt werden seine Erwartungen mit seiner Oma und der Krähe Guacira, in einen Handlungsstrang aber werden sie nicht aufgenommen. Nur bei dem dämonischen und effektvoll choreographierten Auftritt eines Panthers muss sich Berimodo bewähren, doch geopfert wird die Krähe. Selbst da aber ist es weniger die Aktion, die man vermisst, als vielmehr eine echte Beziehung zu den Figuren. Rein in formalen Fesseln kann man die Herausforderungen des Lebens nicht darstellen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schriftsteller Peter Handke

          Streit über Peter Handke : Groteske Geschichtsklitterung

          Heute wird Peter Handke in Stockholm der Literaturnobelpreis verliehen. Die Debatte um seine Auszeichnung zeigt, wie anfällig selbst solche Milieus für Verschwörungstheorien sind, die sich für aufgeklärt und weltoffen halten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.