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Volksbühne mit erster Premiere : Vorhang auf für ein neues Frankfurter Theater

  • -Aktualisiert am

In Feierlaune: Volksbühnen-Chef Michael Quast (links) und Gäste beim Premierenempfang. Bild: Wonge Bergmann

Elf Jahre Schwebezustand gehören der Vergangenheit an. Die neue Frankfurter Volksbühne am Großen Hirschgraben feiert mit eigenwilliger „Struwwelpeter“-Version ihre erste Premiere.

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          Die Stadt hat ein neues Theater. Und es am Premieren-Abend entsprechend gefeiert. Schließlich kommt das nicht alle Tage vor. Dabei wäre der Spielort, der Cantate-Saal neben dem Goethe-Haus, beinahe dem Bagger zum Opfer gefallen, aber die Verantwortlichen haben noch rechtzeitig bemerkt, dass es sich hier um einen Fall für den Denkmalschutz handelt, und die Räumlichkeiten Michael Quast, dem Chef der Fliegenden Volksbühne, als künftige Wirkungsstätte zugesagt. Mit reichlich Verspätung konnte er jüngst einziehen. Ursprünglich sollte das Haus schon im September vorigen Jahres eröffnet werden. Aber da war es noch eine Baustelle. Der Ort hat eine einschlägige Vorgeschichte: Das alte Volkstheater hatte hier seinen Sitz, an dem Liesel Christ mit großem Erfolge tätig war.

          Viele langjährige Weggefährten Quasts waren zur ersten Vorstellung in die „Volksbühne“, wie es nun in großen Lichtlettern über dem Eingang zum Hof prangt, zum Großen Hirschgraben gekommen. Mitstreiter, die nicht lockergelassen haben, als es darum ging, für ihn und sein Ensemble eine feste Spielstätte zu suchen, Förderer, die sich einsetzten für ein zeitgenössisches, modernes Volkstheater, das nicht nur für Mundartstücke zuständig ist, sondern auch für ein mittlerweile über hessische Besonderheiten und Sonderlichkeiten weit hinausgehendes Frankfurt-Gefühl.

          Zehn Geschichten

          Politik und Wirtschaft waren vertreten, etwa mit dem Unternehmer und Mäzen Claus Wisser und Mirjam Schmidt, die für die Grünen im Hessischen Landtag sitzt und dort unter anderem für Kultur zuständig ist. Sie nahmen an der Uraufführung einer so eigenwilligen wie unterhaltsamen Version der zehn Geschichten aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ teil, in der neben Theaterchef Quast und der Darstellerin Sabine Fischmann das Ensemble Modern eine maßgebliche Rolle spielt. Eine Mischung, die dem Publikum gefiel. Das Volkstheater der Gegenwart, so äußerten sich viele, sei anders als das von gestern und die Adaption des Bilderbuchs ein wunderbares Beispiel dafür, wie man heute eine Bühne populär und anspruchsvoll zugleich bespielen könne.

          O, wie eigenwillig: Szene aus dem „Struwwelpeter“ in der Frankfurter Volksbühne
          O, wie eigenwillig: Szene aus dem „Struwwelpeter“ in der Frankfurter Volksbühne : Bild: Niko Neuwirth

          Das fanden auch etliche Freunde aus den Künsten, darunter Hans-Joachim Heist, dem Publikum als cholerischer Polterer Gernot Hassknecht aus der „Heute Show“ bekannt. Manche Politiker sagten hinter vorgehaltener Hand, angesichts der knappen Milliarde, die wohl für Neubauten von Oper und Schauspiel ausgegeben werden müssten, sei es beschämend, dass Quast immer noch nicht genügend finanzielle Mittel bekomme, um einigermaßen sorgenfrei sein künstlerisches Programm für die nächsten Jahre zu entwickeln.

          Elf Jahre Schwebezustand

          Nach wie vor fehlt der Fliegenden Volksbühne, die nunmehr nach elf Jahren Schwebezustand ihr Nest gefunden hat, ein Hauptsponsor. Auch am Premierenabend hat sich wohl keiner gefunden, obwohl manch einer, der sich unten im Foyer drängte, für Abhilfe sorgen könnte. Doch eines steht fest: Ein Theater, das sich Frankfurter Themen annimmt und Identität in einer immer diffuser werdenden städtischen Gesellschaft schafft, tut der Stadt gut.

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