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Von Beruf Muse : „Der Mensch ist das stärkste Medium“

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Ich schreibe total gerne. Und ich liebe Gedichte sehr, deshalb liebe ich auch Rap-Musik und schreibe Rap-Texte. Das ist eines meiner Hobbys. Weil auch vieles in Reimen aus mir herausfließt. Interessanterweise auch, wenn ich mit jemand gearbeitet, in jemanden hineingespürt habe. Dann erzählt das Innere auch etwas in Gedichtform, und ich schreibe das für den Menschen auf. Das ist immer ein sehr toller Moment, wenn ich das innerlich Wahrgenommene in Worte fasse und erzähle.

Was macht eine Muse, um auch einmal von der Muse geküsst zu werden?

Sie geht in die Natur. Die gibt mir wahnsinnig viel. Die brauche ich. Die wilde Natur. Nicht den Stadtpark. Und ich brauche es, an die Natur angebunden zu sein, mich in ihr zu bewegen. Frische Luft atmen. Das Grüne sehen, in Kommunikation mit der Natur kommen, Magie fließen lassen. Das hilft immer.

Offenbar haben Sie den beruflichen Aussichten einer Muse selbst nicht ganz getraut, denn Sie haben studiert.

Mich hielt dieses Musen-Klischee rückwirkend viel zu lange davon ab, daraus einen Beruf zu machen. Deshalb wollte ich dann wenigstens etwas studieren, worin ich meine Kreativität auszudrücken lerne, und habe dann aber meinen Master in Media Direction gemacht, gerade weil das meiner ganz klassisch orientierten Berufung total entgegensteht. Und weil ich gerade wegen meiner klassischen Orientierung auch in dieser Zeit zu Hause sein wollte. Ein weiteres Plus: Ich kann mich in allen medialen Formen ausdrücken und Menschen auch darin unterstützen. Obwohl ich gerade mit diesem Background gelernt habe, dass man als Mensch immer noch das stärkste Medium von allen ist.

War das der Grund, in Frankfurt einen Film-Stammtisch ins Leben zu rufen?

Es gab schließlich doch viele Parallelen: Geschichten interessieren mich, und Authentizität interessiert mich. Und etwas auf den Weg zu bringen, das wirklich aus dem Menschen, aus der Seele herauskommt. Und auch: Die Menschen zusammen zu bringen. Aus meiner beruflichen Arbeit mit Filmschaffenden ist dann unter anderem auch der Film-Stammtisch entstanden, der jetzt schon fünf Jahre lang besteht.

Wäre es nicht möglich, dass es da draußen noch sehr viel mehr Kinder und Jugendliche gibt, die ähnlich wie Sie eine Aufgabe spüren, aber ebenso wie sie anfangs keine Worte dafür haben?

Das habe ich sogar schon oft beobachten dürfen. Deshalb habe ich auch einige Schulen angeschrieben und gefragt, ob ich da Lehrerin werden darf für Philosophie und Kunst. Bereiche, mit denen man schön abdecken kann, was eine Musenzeit ausmacht: Das Geistige wie das Praktische. Kreative Impulse setzt, zwischen Mensch und Natur eine Verbindung herstellt, Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.

Wie waren die Reaktionen?

Ich bin jetzt Lehrerin an einer Schule und unterrichte dort verschiedene Klassen. Wir beschäftigen uns da mit Fragen wie dieser: Wie kann ich ein Gespür für mich selbst entwickeln und dadurch auch Empathie für andere? Was macht mich glücklich? Wo könnte mein Platz in der Gesellschaft liegen? Was ist, wenn es im Leben mal nicht so gut läuft? Es geht darum, die Welt zu verstehen, das Leben kennenzulernen, sich selbst und die anderen.

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