https://www.faz.net/-gzg-9hq12

Von Beruf Muse : „Der Mensch ist das stärkste Medium“

  • -Aktualisiert am

Wie hat man sich so eine ‚Bemusung’ vorzustellen?

Das ist individuell. Bei manchen dauert es nur ein paar Stunden. Bei anderen Tage. Ich arbeite meist mit Ausflügen. Das heißt, wir gehen spazieren in der freien Natur, dort kommen die Menschen ins Fühlen und Spüren. Die Gespräche erhalten so eine besondere Qualität durch die wechselnde Umgebung. Und die frische Luft belebt Körper und Geist.

Was versprechen sich die Leute davon? Beziehungsweise: Was finden Sie bei Ihnen?

Meist sind die Leute auf der Suche nach Veränderung. Sie wollen ihr Potential entfalten, vielleicht schöpferisch wirken, brauchen vielleicht einen Ansporn oder Inspiration, wollen entdecken, was in ihnen steckt und sich selbst besser kennenlernen.

Wo liegt der Unterschied zu einem Coaching oder einer Therapie?

Es ist ein anderer Ansatz. Im Coaching mache ich jemanden fit für eine bestimmte Aufgabe. In der Therapie arbeite ich an Konflikten und Problemen. Mir aber geht es um die Berufung, um Transformation. Ich will mit den Menschen finden, was in ihnen steckt, was sie glücklich macht. Mit sich selbst und in der Welt. Ich habe aber durchaus auch schon Menschen zu Coachings oder zu einer Psychotherapie geraten.

Steckt wirklich in jedem Menschen etwas Besonderes? Gibt es nicht auch solche, bei denen der göttliche Funke einfach nicht zündet, egal, wie viel Feuer man daran hält?

Ich habe noch nie jemanden getroffen, aus dem es nichts rauszuholen gab. Ich habe manchmal Menschen getroffen, bei denen es vielleicht noch nicht an der Zeit war, sich zu öffnen und der Transformation den nötigen Raum im Leben zu geben.

Ist es nicht auch ein anstrengendes und letztlich auch frustrierendes Konzept, dass immer alles erfüllend sein soll, was man tut?

Bei mir geht’s im Normalfall gar nicht darum, dass jemand sagt: Mensch, ich muss jetzt alles anders machen und alles hinschmeißen. Es gibt zwar durchaus Leute, die mit so einem Drang zu mir kommen. Aber ich schaue dann gemeinsam mit demjenigen: Wer bist du, wer bist du wirklich? Woher kommt dieser Drang? Steckt etwas ganz anderes dahinter, das eigentlich gelebt werden will und soll? Am Ende stehen manchmal kleine Veränderungen oder solche, die nur innerlich stattfinden und sich nach außen gar nicht darstellen.

Der Musen-Kuss ist also im Zweifel nicht unbedingt tödlich für eine bürgerliche Existenz als Buchhalter und für die Altersvorsorge?

Manche Menschen haben diese Sorge, dass sie am Ende ihr ganzes Leben umkrempeln. Nein, man muss sowieso gar nichts. Wer bei mir war, hat einfach ein besseres, klareres Bild von sich selbst. Ein ehrliches Bild, ein sehr liebevolles Bild.

Wie lange begleiten Sie die Leute?

Alle, mit denen ich mal gearbeitet habe, halten den Kontakt. Man mag sich ja und hat eine starke Verbindung. Aber im Normalfall arbeite ich nur einmal mit dem Menschen.

Ist eine Muse auch kreativ oder ist sie ausschließlich das Medium, das anderen hilft, ihre Kreativität nach vorne zu bringen?

Weitere Themen

Topmeldungen

CDU-Parteitag : Revolte abgesagt

Annegret Kramp-Karrenbauer hält auf dem CDU-Parteitag keine Verteidigungsrede gegen ihre Kritiker, sie geht in die Offensive und stellt die Machtfrage. Und Friedrich Merz betont, die CDU sei „loyal zu unseren Vorsitzenden“.
Guter Auftritt: Christine Lagarde während des European Banking Congress in der Frankfurter Alten Oper.

Neue EZB-Präsidentin : Guter Start für Lagarde

Nach acht Jahren Mario Draghi hat kürzlich Christine Lagarde die Führung in der Europäischen Zentralbank übernommen. Noch ist nicht klar, welchen Kurs sie inhaltlich verfolgen wird. Im Stil hat sie allerdings schon erste Zeichen gesetzt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.