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Anna Calvi in der Batschkapp : Virtuoser Rock Noir

Rock Noir in weißen Stiefeletten: Das Schuhwerk von Anna Calvi in der Batschkapp Bild: Daniel Vogl

Kurz, aber heftig: Die britische Sängerin und Gitarristin Anna Calvi spielt in der Batschkapp in Frankfurt, lässt ihr Instrument winseln und zaubert Klangräume.

          Sie liebt die Oper. Und sie verehrt Jimi Hendrix. Deshalb bringt die britische Musikerin Anna Calvi beide Vorlieben unter einen Hut, wenn sie erst eine Oper komponiert und dann ein Rockalbum aufnimmt, mit dem sie ganz nebenbei dem etwas lahmenden Genre Rock einen Energieschub verpasst und gleich auch noch die altmodische Rolle des männlichen Guitar-Slingers zeitgemäß weiblich besetzt.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diesen Erwartungen begegnet die 38 Jahre alte Sängerin und Gitarristin auf der Bühne der Batschkapp in Frankfurt anfangs mit scheuer Zurückgenommenheit. Begleitet von Schlagzeuger Alex Thomas und Multiinstrumentalistin Mally Harpaz setzt sie eben gerade nicht mit den ersten Tönen das gebannt auf sie starrende Publikum unter Strom, sondern tastet sich eher vorsichtig in den ersten Song „Hunter“, Titelstück ihres dritten, im vergangenen Spätsommer erschienenen Albums. Von dem stammt auch das nachfolgende „Swimming Pool“, ein durchaus gelungener Versuch, das Licht, das sich auf einem von David Hockney gemalten Pool spiegelt, in Gitarrentöne zu fassen.

          Sie zaubert Klangräume

          Dieser Vorstellung sei sie bei der Komposition gefolgt, hat Calvi in einem Interview erzählt und damit ihre Kunst umschrieben. Ihre Virtuosität auf ihrem Instrument lebt sie nämlich nicht in schwindelerregenden Soli oder Effekt-Kapriolen aus, obwohl man solche insgeheim im Konzert vielleicht erwarten mag.

          Die Telecaster im Griff: Anna Calvi Bilderstrecke

          Viel eher zaubert sie Klangräume, in denen es dunkel und kalt zugehen dürfte, die an schwarzweiße, grobkörnige Filmausschnitte denken lassen, zu denen Musikfetzen von Television-, Joy-Divison- oder Nick Cave-Songs erklingen, bevor dieser Rock Noir in gleißendes Rot getaucht wird und die ehedem noch schüchterne Frau auf der Bühne plötzlich an ihrem Instrument, einer Fender Telecaster, zerrt, es ruckeln und zucken und winseln und jammern lässt, derweil sie selbst in die Knie geht, bevor diese Eruption in einem offenen Akkord doch noch harmonisch ausklingt.

          Ähnlich verfährt Anna Calvi mit ihrem Gesang, der mal opernhaft voll und geradezu theatralisch tönt, dann wieder dunkle Tiefen auslotet oder sich vollkommen klar in höchste Regionen aufschwingt. Melodiös im Sinne von eingängig will man Anna Calvis Songs gewiss nicht nennen, auch wenn sie eine Neigung zum Pop der sechziger Jahre, zum Wall of Sound Phil Spectors oder zu den Klanglandschaften Ennio Morricones gewiss nicht von sich weisen würde. Die vereinten in ihren Produktionen mitunter auch Sinnlichkeit und Grausamkeit, jene Pole also, zwischen denen auch Anna Calvi einige ihrer Lieder hin und her schwirren lässt.

          Im Idealfall entsteht daraus ein so mächtiger Song wie das fulminante, grandiose „Don’t Beat The Girl Out Of My Boy“, Höhepunkt des mit fünfundsechzig Minuten Dauer sehr kurzen, aber heftigen Konzerts, das mit einer eher laschen Version des von der Sängerin sonst gern ekstatisch interpretierten Hits „Desire“ und einer apokalyptischen Darbietung des Suicide-Klassikers „Ghost Rider“ viel zu früh endet.

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