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Platten als Statussymbol : Über analoge Tonträger und analoge Menschen

  • -Aktualisiert am

Die Schallplatte: Fast war sie vollkommen verschwunden. Jetzt ist sie wieder in. Bild: Frank Röth

So richtig weg war die Schallplatte nie, nur in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Jetzt ist sie wieder stark gefragt. Dabei geht es allerdings nicht immer um die Musik.

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          Wer reinkommt, kriegt einen Kaffee angeboten. Oder ein Wasser. „So mache ich es eigentlich bei allen Kunden“, sagt Benjamin Worch. Wenn nicht, dann sei er entweder sehr beschäftigt oder der Kunde äußerst unsympathisch. Seit vielen Jahren verkauft Worch Schallplatten bei „Analogetonträger“ im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Keine 40 Quadratmeter ist der Verkaufsraum groß, in den Regalen reihen sich Tausende von Schallplatten. Zwei Sessel und zwei Plattenspieler verleihen dem Raum Wohnzimmeratmosphäre – schließlich soll sich der Kunde ja wohl fühlen, wenn er die potentielle neue Lieblingsplatte Probe hört.

          Worch kniet auf dem Boden, vor ihm eine Pappkiste mit Platten. Gerade hat ein Kunde ihm seine geerbte Sammlung verkauft, wirklich Interessantes ist nicht dabei. „Es wird viel James Last und Co. angeboten, aber das ist nicht unbedingt das, was wir suchen“, sagt Worch. Im „Analogetonträger“ gibt es Jazz und Klassik schon seit den Anfangstagen, mit der Zeit kam ein kleines Sortiment an Rock und Pop dazu. Jazz und Klassik, weil es von Anfang an die Leidenschaft von Geschäftsführer Alexander Timme war; Rock und Pop, weil diese Musikstile über aufgekaufte Sammlungen in den Regalen landeten.

          Manchmal reicht eine einzige außergewöhnliche Platte

          Eine Patentlösung für den Ankauf gebrauchter Ware gibt es für Timme nicht, viel wichtiger seien das Wissen und die Erfahrung, die sich über die Jahre bei ihm angesammelt hätten. „Bei 1000 Platten in der Sammlung steht unser Angebot nach etwa 20 Minuten fest“, sagt er. Natürlich sei bei jeder Kollektion Ware dabei, die er nicht brauchen könne, aber das gehöre zum Geschäft. Und manchmal reicht eine einzige wirklich außergewöhnliche Platte, damit sich für Timme der Kauf der gesamten Sammlung lohnt.

          Seit geraumer Zeit heißt es, die Schallplatte sei wieder da. Aber das stimmt nicht, eigentlich war sie nie verschwunden. Nur tief in der Bedeutungslosigkeit versunken. Bloß ein paar absolute Liebhaber hielten in den vergangenen drei Jahrzehnten noch an den schwarzen Vinylscheiben fest, als diese weitgehend von der CD verdrängt wurden. Für Schallplattenläden eine schwere Zeit, viele mussten schließen. Doch seit einigen Jahren kommen wieder mehr Kunden in die Läden, die sich halten konnten, es öffnen sogar neue Geschäfte.

          Wie das „Gosu“. Der kleine Laden unweit des Frankfurter Doms ist der Gegenentwurf zu „Analogetonträger“. Kahle, unverputzte Wände und eine spärliche Einrichtung prägen das Bild, aus Lautsprecherboxen kommt elektronische Musik. In den Regalen stehen vor allem gebrauchte Schallplatten, viele unter zehn Euro, und die Namen auf den Covern sagen nur House- und Elektrofans etwas.

          Renaissance der Schallplatte

          Das Wort Gosu kommt aus dem Koreanischen und beschreibt eine Person, die in ihrem Metier besonders gut ist, einen Meister. Genau das war das Ziel von Manuel Schatz, als er im Juli 2016 den Laden eröffnete: sich einen Namen zu machen in der Frankfurter Vinylszene als Experte für Techno und House. „Ich glaube, das ist uns gelungen. Die Leute, die in den Laden kommen, wissen, wofür wir stehen“, sagt Schatz. Die Bandbreite seiner Kundschaft sei groß; alles vom jungen Technofan, der seine erste Schallplatte kaufe, bis zum erfahrenen DJ.

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