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Verlagsumzug : Unruhe unter den Mitarbeitern von Eichborn

Bald ein Berliner Verlag statt ein Frankfurter: Eichborn, der mit der Fliege Bild: Foto - F.A.Z. Wolfgang Eilmes

Betriebsrat des Frankfurter Eichborn-Verlags fordert ein Konzept für die Ausgestaltung der Zusammenarbeit mit dem Mitbewerber Aufbau. Die Mehrheit der Mitarbeiter will nicht nach Berlin, wie es heißt.

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          Unter den Mitarbeitern des Frankfurter Eichborn-Verlags herrscht Verunsicherung über den künftigen Kurs des Verlags. „Das Deprimierende ist, dass es kein Konzept gibt“, sagte Claus Mirlach, der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens. Aufbau und Eichborn hätten seit Jahren immense Probleme am Markt, die sich durch einen Umzug und Personalabbau nicht einfach lösen ließen. Bisher gebe es aber nur Äußerungen der beiden Hauptinvestoren der Verlagshäuser, aus denen sich nicht ablesen lasse, wie die vereinbarte Zusammenarbeit aussehen solle. Er forderte daher die zügige Vorlage eines entsprechenden Konzepts.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eichborn-Hauptaktionär Ludwig Fresenius und Aufbau-Mehrheitsgeschäftsführer Matthias Koch hatten am Freitag bekanntgegeben, die Verlage in Berlin zusammenführen zu wollen. Bisher haben sie ihre Pläne mit der Formulierung umschrieben, beide Verlage sollten unter einer gemeinsamen Dachkonstruktion selbständig bleiben. Nach Meinung von Eichborn-Mitarbeitern entfiele durch ein solches Vorgehen jedoch die Chance, einen vereinten Verlag mit weniger Personal, geringeren Kosten, größerem Gesamtprogramm und höherem Umsatz zu wirtschaftlichem Erfolg zu führen. Auf diese Weise habe ein Umzug wenig Sinn. Wenn Koch die Mehrheit der Eichborn-Anteile von Fresenius kaufe, wie am Wochenende aus Berlin zu hören gewesen sei, bleibe Eichborn zudem kaum Spielraum für die Gestaltung des Umzugs.

          „Wir werden Nische“

          Darüber hinaus stellen sich am Verlagssitz in der Frankfurter Kaiserstraße auch andere Fragen. In mancher Hinsicht ist man dort nach Darstellung einiger Mitarbeiter nicht unzufrieden. Dies gelte gerade für das Verhältnis zu den großen Buchhandelsketten, sagte Verlagssprecherin Uta Niederstraßer. Noch würden Eichborn-Titel in den Zentrallagern von Hugendubel und Thalia vorrätig gehalten. Die Betonung liege allerdings auf dem „noch“. Unabhängige Verlage, die sich gegen die Rabattforderungen der Ketten schlechter zur Wehr setzen könnten als große Konzernverlage, hätten in dieser Situation nur die Möglichkeit, sich zu verkleinern („Wir werden Nische“), sich zu vergrößern (“Mit welchem Geld auch immer“) oder sich mit anderen Verlagen zusammenzuschließen.

          Eichborn gehe den dritten Weg. Zudem habe der Verlag Schwächen bei den vielen kleineren Buchhandlungen in Städten und auf dem Land. Sie steuerten nur noch einen Anteil von 20 bis 30 Prozent zum Umsatz des Verlages bei. Hier könne man von der Zusammenarbeit mit Aufbau besonders profitieren, dort liege der entsprechende Anteil um rund zehn Prozentpunkte höher.

          „Mehrheit der Mitarbeiter will nicht nach Berlin“

          Andere Mitarbeiter zweifeln daran, ob es sich lohnt, für die Aussicht auf einen solchen Zuwachs fünf von sieben eigenen Vertretern zu kündigen, wie es bei Eichborn geschehen ist. Mirlach sagte, auf lange Sicht sei die vom Aufsichtsrat schon beschlossene Zusammenarbeit mit dem Vertrieb von Aufbau sinnvoll. Er befürchte trotzdem, dass die Aufbau-Vertreter für Eichborn-Titel zunächst nicht mit der gleichen Intensität würben wie für ihre eigenen. Das könne zu Umsatzeinbußen führen. Klar sei nur eines: Die Mehrheit der Mitarbeiter, die erst am Tag vor der Berliner Pressekonferenz der Investoren von den Umzugsplänen erfuhr, wolle nicht nach Berlin wechseln.

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