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„Verlags-Montage“ in Frankfurt : Eine Dosis Suhrkamp

Einmal im Monat soll es in der Unseld-Villa an der Klettenbergstraße zukünftig „Suhrkamp-Verlags-Montage” geben, wie der Verlag überraschend mitteilt Bild: Michael Kretzer

Während der Eichborn-Verlag sich unter Trennungsschmerzen nach Berlin aufmacht, ist der Suhrkamp-Verlag, der ihm vor einem Jahr in die Hauptstadt vorauseilte, plötzlich wieder in Frankfurt präsent. Fortan soll es „Verlags-Montage“ in der Unseld-Villa geben.

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          Frankfurt. Allmählich verliert man den Überblick. Während der Eichborn-Verlag sich unter Trennungsschmerzen nach Berlin aufmacht, ist der Suhrkamp-Verlag, der ihm vor einem Jahr in die Hauptstadt vorauseilte, plötzlich wieder in Frankfurt präsent. Dabei hatte Suhrkamp in den vergangenen zwei Jahren sorgsam darauf geachtet, seine Frankfurter Spuren durch den Verkauf des Verlagssitzes an der Lindenstraße und des Unternehmensarchivs nach Marbach so gründlich wie möglich zu tilgen. Nur die Unseld-Villa an der Klettenbergstraße blieb zurück, verwaist, aber nicht verkauft. Im Herbst erinnerte sie beim Kritikerempfang des Verlags zur Buchmessenzeit einen lebhaften Nachmittag lang daran, dass Suhrkamp in Frankfurt den Rest des Jahres nicht mehr zugegen ist.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun überrascht der Verlag, der sich vor zwei Jahren so entschieden von Frankfurt abwandte, mit einer veritablen Mini-Rückkehr. Einmal im Monat soll es in der Villa an der Klettenbergstraße zukünftig „Suhrkamp-Verlags-Montage“ geben. Angekündigt hatte Cheflektor Raimund Fellinger die Veranstaltungen als „neues Forum für ästhetische und politische Auseinandersetzungen“. Zum Auftakt mit einer Lesung von Andreas Maier ging es weniger theoretisch als literarisch-praktisch zu. In Aussicht aber hat Frankfurt nun jeden Monat eine regelmäßige Dosis Suhrkamp, damit es nicht vergisst, wie gut es ihm früher ging.

          Portion Suhrkamp in Frankfurt nur auf Einladung

          Während der Verlag in Berlin mit seinem Edition-Suhrkamp-Laden die Barrieren zum Publikum bewusst gesenkt hat, gibt es die monatliche Portion Suhrkamp in Frankfurt nur auf Einladung. Nicht zu sehen waren daher die Mitarbeiter, die nach dem Umzug in Frankfurt zurückblieben. Zwei von ihnen gehören inzwischen zum Eichborn-Verlag. Dort warten sie augenblicklich zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf Änderungskündigungen, nach deren Erhalt sie zwischen dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und dem Umzug nach Berlin wählen dürfen. Sie tun das, während Eichborn von einem Mehrheitsaktionär nach Berlin gelotst wird, der dem Vernehmen nach bis auf das Geld für seine Verlagsanteile nicht viel in Eichborn investiert hat. Viele halten es für wahrscheinlich, dass Ludwig Fresenius sein Aktienpaket nun verkauft. Nebenbei hätte er kurzerhand rund fünfzig Lebensläufe umgelenkt.

          Ausgerechnet in der Unseld-Villa ließ sich dieses unerfreuliche Szenario vergessen. Dort zeigte Suhrkamp sich gewohnt gastfreundlich, nach Maiers Auftritt durfte geraucht werden, viele Gäste blieben der angeregten Gespräche in privat anmutender Umgebung willen etwas länger. Es war, wie Fellinger es sich in seiner Begrüßung erhofft hatte, tatsächlich „die Klettenbergstraße, wie Sie sie kennen“. Dass Suhrkamp damit den Frankfurter Magistrat unterstützen könnte, dürfte er allerdings kaum beabsichtigt haben. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) wehrte sich gestern gegen die Darstellung, Eichborns Umzug bedeute eine Schwächung der Literaturstadt Frankfurt. Er teilte mit, das Angebot an literarischen Einrichtungen und Veranstaltungen sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Das stimmt nun auch dank Suhrkamp.

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