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Fritz Rémond Theater : Verena Wengler spielt „Gott“

Die Schauspielerin Verena Wengler, im Rémond Theater im Frankfurter Zoo. Bild: Maximilian von Lachner

Verena Wengler gehört zu den treuen Stützen des Fritz Rémond Theaters in Frankfurt. Jetzt spielt sie die Anwältin in „Gott“ von Ferdinand von Schirach. Und gibt Einblicke in ihr Leben abseits der Bühne.

          3 Min.

          Sie ist ein politisch denkender Mensch. Deshalb spielt Verena Wengler gern das Alter Ego des Schriftstellers Ferdinand von Schirach: die Anwältin des sterbewilligen Richard Gärtner. Anwältin? Im Theaterstück „Gott“, das 2020 auch verfilmt wurde, wird Gärtner (im Film Matthias Habich) von einem Anwalt namens Biegler (auf der Leinwand Lars Eidinger) vertreten. Aber: „Jede Rolle kann auch vom jeweils anderen Geschlecht übernommen werden“, sagt Wengler. So habe es Schirach gewollt. Und so hat Regisseur Heinz Kreidl die Rollen für seine Premiere am 21. Oktober im Fritz Rémond Theater besetzt. Unter Kreidls Regie war die Schauspielerin schon vor zehn Jahren in der „Geisterkomödie“ dabei. Theaterdirektor Claus Helmer kann sich auf sie verlassen: Wengler zählt zu den treuesten Gästen auf seinen Bühnen.

          Claudia Schülke
          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie war mal Burgschauspielerin, lässt sich das aber jenseits der Bühne nicht anmerken. Auf der Bühne allerdings merkt man die strenge Schule der alten Wiener Koryphäen Susi Nicoletti und Klaus Maria Brandauer. „Von ihnen habe ich Disziplin und absoluten Fleiß gelernt“, erinnert sie sich. Wengler wurde 1962 in Innsbruck geboren, ging auf die Ballettschule des Landestheaters und nahm Reißaus vor dem Klosterschulregiment der Ursulinen. Mit 16 Jahren war sie die Jüngste im Max-Reinhardt-Seminar, im zweiten Jahr ihrer Ausbildung stand sie als Thekla in Nestroys Posse „Das Mädl aus der Vorstadt“ zum ersten Mal auf der Burgtheaterbühne. Danach erhielt sie einen Fünfjahresvertrag, schloss aber die Schauspielschule noch ab. Besonders gern und vor allem dankbar denkt sie an Fritzi Pollak zurück, jene betagte jüdische Dame, bei der sie damals wohnte.

          „Kollegen rümpften damals die Nase, aber ich war glücklich“

          An der Burg spielte sie zwischen den alten Größen: Paula Wessely, Maresa Hörbiger, Fred Liewehr, Otto Schenk und Helmuth Lohner. Sie trat in Ibsens „Peer Gynt“, in Nestroys „Jux“ und in Hofmannsthals „Der Unbestechliche“ auf. Dann ging sie nach Berlin ans Schiller Theater und arbeitete dort mit Peter Ustinov, Erich Schellow und Joachim Bliese, der 2018 noch im Rémond Theater zu sehen war und am 9. September gestorben ist. Als auf den Intendanten Heribert Sasse 1991 die sogenannte Viererbande folgte, erhielt Wengler die Kündigung – zusammen mit 55 Kollegen. Sie kam nach Frankfurt zu Hans-Peter Doll, den sie schon von den Sommerspielen in Wunsiedel kannte. Bei ihm spielte sie die Putzi in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Peter Eschberg, den Folge-Intendanten und immerhin Wiener, hat sie nicht mehr kennengelernt.

          Auf der Bühne: Vera Wengler im Rémond Theater.
          Auf der Bühne: Vera Wengler im Rémond Theater. : Bild: Maximilian von Lachner

          Am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg als Abigail in Millers „Hexenjagd“ fand sie 1992 Gefallen am freien Spielen. Und an der Kölner Komödie, wo sie mit René Heinersdorff auftrat, auch am Boulevardtheater: „Manche Kollegen rümpften damals die Nase, aber ich war glücklich.“ Von da an gab es für sie nur noch Boulevard: in Berlin, Düsseldorf, München. 2001 dann „Heirat wider Willen“ mit Eva Pflug in Helmers „Komödie“. 2004 kam sie für „Freunde zum Essen“ ins Rémond Theater: „Und seitdem jedes Jahr. Mich hat es nie zu Film und Fernsehen gezogen. Das ist ein ganz wunderbares Haus mit wunderbaren Mitarbeitern“, schwärmt sie: „Es klappt alles hinter der Bühne.“ Lauter Profis, die es ihr ermöglichten, in Stücken wie „Die Grönholm-Methode“, „Vater“ (mit Wilfried Elste) und „Die Niere“ (mit Sigmar Solbach) zu brillieren. Als sie die Titelrolle in „Frau Müller muss weg“ spielte, wurde sie danach am Ausgang mit dem Satz „Wir sind alle Kollegen“ abgefangen und bedankt: „Lauter Lehrer.“

          Sie mag Frankfurt und „die netten Menschen hier auf der Straße“. Aber seit vier Jahren wohnt sie in Berlin-Zehlendorf und in Bardolino am Gardasee, wo ihr Ehemann ein Haus hat. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals heiraten würde. Aber mit 50 Jahren habe ich jemanden kennengelernt, der genau zu mir passt“: Jürgen Prochnow. Den berühmten Kollegen und Kommandanten aus dem Film „Das Boot“ (1981) hatte sie vor zehn Jahren auf einer Tournee durch 65 Städte kennengelernt: „Das Erfolgsstück privat.“ Seit 2015 sind sie verheiratet. „Des passt. Ich bin berührt, wie liebevoll die Leute mit meinem Mann umgehen“, sagt die Österreicherin, die ihm beim Sortieren der Fanpost hilft. „Das ist nicht mit Geld zu bezahlen.“ Prochnow ist gerade 80 geworden, und nur einer kann mit ihm konkurrieren: Pippo, ihr Beagle. „Vom verflixten siebten Jahr merke ich nichts.“

          GOTT: Premiere 21. Oktober, 20 Uhr, Fritz Rémond Theater, Frankfurt

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