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Vincent van Gogh : Flammende Pappeln

Lodernd: Van Goghs Pappeln erinnern an Flammen Bild: Foto: Courtesy The Cleveland Mus

Diese Pappeln lodern, erinnern an Flammen, die hochschießen. Unschuldige Natur jedenfalls ist das nicht, was van Gogh 1889, ein Jahr vor seinem Tod, mit Ölfarben auf die Leinwand setzte.

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          Pappeln, gewiss, vielleicht schon leicht herbstlich verfärbt, aber sie stehen nicht einfach nur in der Landschaft herum, recken sich nicht allein zum Himmel empor, sie lodern vielmehr, erinnern an Flammen, die hochschießen. Unschuldige Natur jedenfalls ist das nicht, was Vincent van Gogh 1889, ein Jahr vor seinem Tod, mit Ölfarben auf die Leinwand setzte.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Pappeln in Saint-Rémy aus dem Cleveland Museum of Art sprengen die Konturen, die festen, kräftigen Linien, mit denen der Maler doch allem einen Halt geben wollte, ein festes Gefüge, eine Klarheit und Deutlichkeit, als gelte es, gegen die eigene Wahrnehmung anzukämpfen, in der die Dinge längst, auch vom Blick in die unerbittlich gleißende Sonne, ihre Selbstverständlichkeit, ihre Umrisse, ihre Bestimmtheit verloren haben. Aber als natürliche Gegenstände behaupten sie doch ihre Objektivität, ihre Unterschiedlichkeit, ihre Gestalt.

          So lässt sich van Gogh als Künstler verstehen, der deshalb so leuchtende Farben und entschiedene Striche verwendet hat, um festzuhalten, was ihm und den Kindern der heraufdämmernden Moderne längs abhandengekommen war. Noch einmal zeigen, was ist, den Sachen eine Einzigartigkeit verleihen, auch den Menschen und den Landschaften, bevor sie im Taumel der Sinne wie der gesellschaftlichen Entwicklungen untergehen: Van Gogh fasst den Reichtum der Welt in Farben und Formen, die aufflackern, als wollten sie sich alsbald selbst vernichten. Auflösen im Strom der Zeit. Oder in der Subjektivität des Künstlers.

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