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Ulrike Crespo : Im Licht des frühen Abends

  • -Aktualisiert am

Twilight. Bild: Ulrike Crespo

Wenn es dämmert, macht Ulrike Crespo Fotografien. Jetzt versammelt ein Bildband die Aufnahmen der Gründerin der Crespo Foundation.

          2 Min.

          Landschaften zwischen Tag und Traum sind auf den Fotografien von Ulrike Crespo zu sehen. Unter dem treffenden Titel „twilight“ hat sie ihre wunderbaren Bilder in einem soeben erschienenen Band veröffentlicht, unter ihnen auch Aufnahmen einer noch weitgehend unberührten Natur, wie sie etwa in Patagonien oder auf der irischen Insel Dursey zu finden ist. Um realistische oder wiedererkennbare „Reisebilder“ geht es Crespo in ihrem im Kehrer-Verlag Heidelberg publizierten Bildband jedoch nicht. Ihre Faszination gilt vielmehr der Dämmerung, der kurzen Zeit zwischen hell und dunkel, in der sich die Welt allmählich verändert und in den wechselnden Schattierungen der Nichtfarbe Grau oder im glühenden Rot eines Sonnenuntergangs erscheint – bis die Nacht beginnt.

          Das sich wandelnde Licht des frühen Abends und seine Farben sind also das eigentliche Thema dieser als romantisch zu bezeichnenden Fotografien, die trotz ihrer stets abstrahierenden Darstellung die Atmosphäre einer Landschaft in suggestiven Bildern festhalten und dies durch bewusst verwischte Aufnahmen bewirken. Es ist vermutlich gerade ihr flüchtiger, transitorischer Charakter, der Crespos Fotografien so anziehend macht und viele Betrachter in ihren Bann ziehen dürfte. Mit dem sicheren Sinn für den einzig richtigen Moment fotografiert sie Szenen der Natur, die zur Meditation einladen: Wolkenbilder in zarten oder leuchtenden Farben, Bäume im Wiener Waldviertel, im Burgenland, in Moskau, Frankfurt und Potsdam oder den Blick auf den Inle-See in Myanmar.

          Ulrike Crespo ist als Mäzenin bekannt

          Kurz bevor die nächtliche Dunkelheit beginnt, scheinen die Farben von exotischen oder europäischen Blumen ganz besonders zu strahlen – das wird auf den leuchtend bunten, oft ganz abstrakten Darstellungen deutlich, die im argentinischen Ushuaia, im irischen West Cork, in Wien oder Frankfurt entstanden.

          In seinem lesenswerten Katalogbeitrag zitiert Andreas Bee, langjähriger Mitarbeiter des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, jetzt Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, den Goethe-Zeitgenossen Carl Gustav Carus: Er sah die Hauptaufgabe der Beschäftigung mit dem, was er unter Landschaft verstand, in der „Darstellung einer gewissen Stimmung des Gemütslebens (Sinn) durch die Nachbildung einer entsprechenden Stimmung des Naturlebens (Wahrheit)“. Auf den heutigen Landschaftsbegriff trifft gewiss eher Bees eigene Erkenntnis zu, dass es die Imagination sei, also ein bildhaft anschauliches Denken, das die Natur zur Landschaft werden lasse.

          Ulrike Crespo ist als Mäzenin bekannt. Ihre 2001 gegründete Crespo Foundation fördert unter dem Motto „Menschen stark machen“ zahlreiche soziale und kulturelle Initiativen und hat zudem eigene Projekte begründet. Als Enkelin des Wella-AG-Begründers Karl Ströher wuchs sie in Darmstadt auf, studierte Kunstgeschichte und Archäologie in der Schweiz und später Psychologie in Frankfurt. Nach einer Tätigkeit in der psychosomatischen Abteilung der Frankfurter Universitätsklinik war sie als approbierte psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig. Ihre in „twilight“ gezeigten Fotos entstanden in den Jahren 2008 bis 2010.

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