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Staatstheater Mainz : Der Tod liebt Maggi und Marmelade

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Bevor es ernst wird: Sophia, der Sterbende und der Tod haben mehr Spaß als sie dachten. Bild: Andreas Etter

Angelehnt an den Roman von Thees Uhlmann führt das Staatstheater Mainz das Stück „Sophia, der Tod und ich“ auf. Das Publikum liebt es, denn einen sympathischeren Tod mag man sich nicht vorstellen.

          Der Tod macht keine Termine. Ungebeten und meist unangekündigt dringt er in unser Leben ein. Was er bedeutet, wohin er uns führt, ob er wirklich ein Ende oder womöglich ein Neubeginn ist, bleibt der menschlichen Spekulation überlassen, sein Mysterium ist der Urgrund der Religionen wie der Künste. Thees Uhlmanns 2015 erschienener Roman „Sophia, der Tod und ich“ zählt zu den Kunstwerken, die sich dem Sterben auf humoristische Weise zu nähern versuchen. Einen sympathischeren Tod jedenfalls als den höchst lebenslustigen, zugleich aber auch recht unprofessionellen Ablebenshelfer in Uhlmanns Buch vermag man sich kaum vorzustellen.

          Uhlmann, Sänger und Songschreiber der Popband Tomte, erzählt in seinem Roman von den letzten Lebenstagen des namenlosen Ich-Erzählers, eines Enddreißigers mit wenig Leidenschaften, einem wohltemperierten Leben als Altenpfleger und viel Bier im Kühlschrank. Henner Momann, der diesen „Er“ in der Mainzer Bühnenversion höchst überzeugend spielt, teilt dementsprechend mit dem Publikum vor Beginn des Stückes und zwischendurch seinen Getränkevorrat. Es geht gemütlich familiär zu auf der von einem großen Sofa dominierten Bühne. Unübersehbar ist der freundliche Hausherr einer von uns.

          Der Tod gewehrt einen Aufschub

          Wenn alles nach den himmlischen oder höllischen Regeln abliefe, könnte das Stück nach wenigen Minuten zu Ende sein. Denn der Tod (Julian von Hansemann) schenkt seinem Opfer normalerweise gerade einmal drei Minuten bis zum finalen Übertritt. Doch irgendetwas im Hintergrund läuft schief. Das gefährdet, wie sich in den nächsten neunzig Minuten zeigt, auch den Arbeitsplatz des Todes, denn ein Konkurrent hat sich in Stellung gebracht. Mit dem ungeplanten Türläuten kommt Sophia (Anika Baumann), die temperamentvolle Ex-Freundin des Erzählers, auf die Bühne, um ihn zum immer wieder aufgeschobenen Besuch bei seiner Mutter abzuholen. Schnell wird unübersehbar, dass da auf beiden Seiten immer noch viel Gefühl ist.

          Da nun eh alles schon aus dem Ruder gelaufen ist und der schusselige Tod sich irgendwelcher Intrigen bei seinem Arbeitgeber erwehren muss, gewährt er dem Kandidaten einen Aufschub, damit dieser seinen siebenjährigen Sohn aus einer Kürzest-Liaison wenigstens einmal im Leben besuchen kann. Und so brechen Erzähler, Tod und seine zwei liebsten Frauen, denn auch die verschrobene Mutter muss nun mit, gemeinsam nach Süddeutschland auf. Roman und Inszenierung werden nun zum Roadmovie, wobei vor allem der Tod das Leben lieben lernt.

          Anika Baumann, Henner Momann und Julian von Hansemann haben aus dem Roman, der ohnehin in seinen vielen sketchartigen Dialogen am überzeugendsten ist, ein durchweg lustiges und stets berührendes Bühnenstück gemacht. Dabei haben sie sich selbst die wunderbaren Rollen auf den Leib geschrieben. Baumann überzeugt als Sophia ebenso wie als Mutter. Hansemann ist als Tod, der kindliche Freude an den profansten irdischen Dingen zeigt, ein großer Spaß. Wenn er eine Maggiflasche auf ex trinkt oder Erdbeermarmelade mit großen Löffeln in sich hineinschaufelt, nimmt man ihm die Lust an den einfachsten Genüssen ab.

          „Sophia, der Tod und ich“ ist gewiss keine tiefschürfende Auseinandersetzung mit Leben und Sterben, aber der unverkrampft-witzige Text ist wie geschaffen für einen Theaterabend. Manche Längen des Romans bis hin zu seinem unvermeidlichen, fröhlich-sentimentalen Ende, bügelt die Mainzer Bühnenfassung geschickt weg, es bleiben Komik und durchaus auch ein bisschen Albernheit. Dass das Mainzer Staatstheater für das Stück die an sich passende „Filiale“ im ehemaligen Karstadt gewählt hat, könnte zum Problem werden: Angesichts der Begeisterung des Premierenpublikums könnte bald eine Spielstätte mit mehr Sitzplätzen nötig sein.

          Dem Tod bei der Arbeit zuschauen

          Die nächste Vorstellungen sind am 15.,17. und 23. April in der „Filiale“ des Staatstheaters Mainz

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