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Was Satire darf : Über Putin lachen

Wladimir Putin Bild: AP

Darf man über Putin Witze machen? Solange es geht, wäre es gut. Denn: Wer das Böse auslachen kann, übt seinen Widerstandsmuskel.

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          Seit der Krieg in der Ukraine tobt, wird das zur Gretchenfrage: Darf man über Putin Witze machen? Satire darf alles, hat Kurt Tucholsky befunden, und der hat nun auch nicht gerade in idyllischen Zeiten gelebt. Aber wir, die wir Tucholskys Zeiten verträumt in Serien wie „Babylon Berlin“ ansehen und die vergangenen Jahre in relativ gemütlicher Distanz von Krieg und Not gelebt haben, sind da offenbar nicht ganz so herzhaft.

          Über die Frage, ob es angebracht ist, über einen Diktator Witze zu machen, wird da diskutiert, wo die Ursache des Echauffierens herkommt: in den sozialen Medien. Darth Putin und Sputnik NOT etwa sind zwei der einschlägigen Satire-Kanäle auf Twitter geworden, mit stark kletternden Zahlen an Follow­ern.

          Zwischen Kichern und bitterem Lachen

          Tag für Tag machen sie aus ihrer Solidarität mit der Ukraine und mit den Kreml-Geiseln im russischen Herrschaftsgebiet Satire. Auf eine Weise, die zwischen Kichern und bitterem Lachen die Bandbreite des Genres auslotet. Der fotografische Witz hatte erst angefangen, als Tucholsky vor fast 100 Jahren befand, der Satire sei alles erlaubt. Heute sind Bildmontagen, manipulierte Bewegtbilder und digitale Text-Bild-Collagen das Mittel der Wahl.

          Manche sind sehr grobschlächtig, die Kloschüssel unter dem kleinen Tischchen im Kreml, an dem sich, im echten Bildmaterial, Putin wirklich seltsam verkrampft festhält. Andere bitterböse: Nach der Erklärung Finnlands dauerte es nicht lange, bis Darth Putin mitteilte, er habe von der NATO den „best recruiter award 2022“ erhalten.

          Oder Bilder plündernder russischer Soldaten – niemand habe ihnen erzählt, dass es in ihren Dörfern weder Straßen noch Strom noch Internet gibt, um all die den Ukrainern geklauten elektronischen Geräte zu nutzen.

          Wenn man mittendrin ist, kann man da das Böse auslachen? Die Satire erreicht uns jenseits des Krieges. Wer das Böse auslachen kann, übt seinen Widerstandsmuskel. Man lacht unwillkürlich: Es lacht. Das macht das Trauern und die Wut aber nicht kleiner.

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          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

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