https://www.faz.net/-gzg-9rjn4

Nach dem Treffen mit Meuthen : Die Welle der Empörung

Hans Joachim Mendig muss nach seinem Treffen mit Meuthen zurücktreten. Bild: Imago

Nach seinem Treffen mit AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen muss der Chef der hessischen Filmförderung seinen Posten räumen. Dass der Medienmann sich zu der Kontroverse in großes Schweigen hüllte, war unklug.

          1 Min.

          „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du Philosoph geblieben“, schrieb der Philosoph Boethius. Im Fall von Hans Joachim Mendig weiß man zwar nicht, ob er immer noch Geschäftsführer der Hessen Film und Medien GmbH wäre, hätte er geredet. Dass er aber in ein immer lauteres, geradezu trotziges Schweigen verfiel, je höher die Wogen der Empörung schlugen, war sicher nicht die richtige Entscheidung. Offenbar ist er bei dieser Haltung auch gegenüber seinem Kontrollgremium geblieben, das gestern den Stab über ihn gebrochen hat.

          Die Filmförderung zu modernisieren war lange der Wunsch der hiesigen Filmszene. Die ist ausgesprochen heterogen, vom tendenziell politisch linken Dokumentarfilmer über Verantwortliche von Festivals bis zu Vertretern internationaler Postproduktionsfirmen ist alles dabei. Mendig, der im November 66 Jahre alt wird, ist vielen als zu „old school“ für einen Neustart erschienen, ihnen gingen die Reformen, wiewohl es etliche gab, nicht schnell genug, sie fanden seinen Hang zum Repräsentieren zu stark ausgeprägt.

          Der neuen Kunstministerin, die nicht mehr von der CDU, sondern von den Grünen stammt, scheinen etliche Beschwerden zu Ohren gekommen zu sein. Für politisch rechts gesinnt hat ihn offenbar nie jemand gehalten.

          Furcht vor einer „rechten“ Unterwanderung

          Die große Empörung kam nach dem Meuthen-Treffen nicht aus Hessen, sondern vor allem aus dem übrigen Deutschland, wo „rechte“ Unterwanderung des Fördersystems befürchtet wurde. Spätestens da hätten alle, die für Demokratie einstehen, sich zu Wort melden müssen. Um etwa festzustellen, dass man privat treffen kann, wen man will, und dass ein staatlich bestellter Filmförderer ein legitimes Interesse daran haben könnte, Vertreter der gewählten Parteien kennenzulernen. Mendig selbst aber war als Medienmann so unklug, zu einem im Internet kursierenden Foto samt vereinnahmendem Kommentar zu schweigen, obwohl der „Shitstorm“ angehoben hatte.

          Dass die hessische Szene ihrerseits zunächst schwieg, begründeten manche Akteure mit der Sorge, auf Kritik an Mendig stehe der Entzug von Fördermitteln. Diese Sorge wirkte angesichts divers besetzter Jurys weit hergeholt. Es hat mehr gebraucht als ein Foto für die Causa Mendig: einen ungeschickt agierenden Geschäftsführer, ein verhärtetes politisches Klima und die digitalen Empörungsmechanismen, die für Abwägungen nicht gemacht sind.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Gut fürs Binnenklima

          Eintracht-Spieler Chandler : Gut fürs Binnenklima

          Die Flankenkönige der Fußball-Bundesliga spielen für Eintracht Frankfurt. Präzise, langgezogene Flanken zu schlagen, gehört auch zum Rüstzeug von Timothy Chandler. Allerdings sitzt er derzeit meist auf der Bank.

          Topmeldungen

          Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

          Washington hatte Ankara mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive der Türkei in Syrien auf 50 Prozent steigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.