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„Titanic“ feiert Geburtstag : Profis im Verarschen

Da wurde das Heft noch mit D-Mark bezahlt: Cover der „Titanic“ von 1982 Bild: TITANIC

Die „Titanic“ wird 40 Jahre alt – und feiert sich an diesem Sonntag selbst mit einer Jubiläumsgala. Martin Sonneborn, Heinz Strunk, Pit Knorr und viele mehr treten auf.

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          Die Erinnerungen, die jeder Einzelne an die Satirezeitschrift „Titanic“ hat, dürften recht unterschiedlich ausfallen. Thomas Gottschalk denkt vermutlich an eine „Wetten, dass . . ?“-Sendung aus dem Jahr 1988, in der ein Wettkandidat, Typ: spleeniger Studienrat, auftrat, der behauptete, die Farbe von Buntstiften am Geschmack erkennen zu können. Was ihm dann, mit einer Art Skibrille auf dem Kopf, an den Stiften leckend und vor einem Millionenpublikum an den Fernsehgeräten, auch tatsächlich gelang. Der Haken dabei: Jener Stiftlecker war der damalige „Titanic“-Chefredakteur Bernd Fritz, die Farben erkannte er, weil er unter den Rändern seiner Brille hindurchschauen konnte. Das gestand er dann auch gleich vor laufender Kamera ein – und der sonst wie ein Wasserfall redende Gottschalk war so perplex und sprachlos wie wohl nie zuvor.

          Alexander Jürgs

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und woran wird Walter Döring denken? Dem FDP-Politiker aus Baden-Württemberg dürfte vor allem der Moment im Gedächtnis geblieben sein, in dem er im Jahr 1999 einer gewissen Edmunda Zlep seine private Kontonummer mitteilte. Diese Dame hatte dem damaligen Wirtschaftsminister im Ländle versprochen, ihm gleich mehrere Millionen Euro zu vererben, um seine politische Karriere zu befördern. Dumm nur: Edmunda Zlep gab es gar nicht. Hinter dem unmoralischen Angebot steckte ein freier Mitarbeiter der „Titanic“. So richtig Fahrt nahm Dörings Karriere danach nicht mehr auf.

          Der bislang letzte große Coup

          Wie ist es mit Julian Reichert, dem Chef der „Bild“-Zeitung? Er hat im Fall der „Titanic“ sicherlich den Augenblick im Februar 2018 im Kopf, in dem klarwurde, dass die E-Mails, die beweisen sollten, dass ein russischer „Juri“ gemeinsame Sache mit dem Juso-Chef Kevin Kühnert macht, um eine große Koalition in Berlin zu verhindern, eine im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ausgetüftelte Fälschung waren. Der „Miomiogate“, bei dem sich das Boulevardblatt blamierte, war der bislang letzte große Coup der Zeitschrift.

          Woran sich die „Titanic“-Macher selbst erinnern, wenn sie auf die 40 Jahre, die es das Magazin aus Frankfurt nun bereits gibt, zurückblicken, darüber kann man am Sonntag möglicherweise im Künstlerhaus Mousonturm etwas erfahren. „40 Jahre nur verarscht“: Dieses Motto haben sie der Jubiläumsgala, mit der das erstmalige Erscheinen des Blattes im November 1979 gefeiert werden soll, verpasst.

          Moritz Hürtgen, der aktuelle Chefredakteur, wird den Abend gemeinsam mit Oliver Maria Schmitt, einem seiner Vorgänger im Amt, moderieren. Auf der Bühne stehen langjährige Wegbegleiter des Blatts: Komiker und Musiker Heinz Strunk, dem mit „Der goldene Handschuh“ längst auch literarisch ein großer Erfolg gelang, Martin Sonneborn, Aushängeschild der „Titanic“ im Europaparlament, wo er als gewählter Abgeordneter von „Die Partei“ für Unruhe sorgt, Pit Knorr, der zu den Mitgründern der Zeitschrift zählt und jahrzehntelang auch für Otto Waalkes Gags schrieb, Hans Zippert, der auch einmal „Titanic“-Chef war und heute für die „Welt“ die grandiosen „Zippert zappt“-Kolumnen schreibt, und noch viele mehr.

          Das große Tohuwabohu

          Gefeiert wird, so steht es in der Ankündigung, „mit Heftgründern und Superstars, mit Hetzern, Honks und Opfern, mit Musik, Cartoons, Texten und billigen YouTube-Clips“. Klingt nach keinem beschaulichen Abend, sondern nach großem Tohuwabohu. So soll es sein, anders hätten wir es uns auch gar nicht gewünscht.

          Die große Jubiläumsgala „40 Jahre nur verarscht“ beginnt an diesem Sonntag, 17. November, um 20 Uhr im Mousonturm in Frankfurt.

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