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Timmy Rough von den New Roses : „Exzess und Melancholie“

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Timmy Rough von den New Roses: „Es braucht ein gewisses Maß an Exzess und eine Portion Melancholie“ Bild: Picture-Alliance

Widersprüche treiben ihn an auf seinem Weg: Sänger und Songwriter Timmy Rough von den New Roses im Gespräch über Rock’n’Roll, Abenteuerlust, Heimat und gute Songs.

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          Seit ihrem ersten Auftritt in der Winkler Kneipe „Hasensprung“ vor zwölf Jahren tourt die Rheingauer Rock-Band „The New Roses“ durch kleine und größere Clubs, zunächst in Deutschland, dann im angrenzenden Ausland und mittlerweile auch in Amerika. Die Band spielte mit Kiss und den Scorpions, ihr aktuelles Album „Nothing But Wild“ stieg in die Top-Ten der Charts ein. Nach fünf Konzerten in Miami treten „The New Roses“ an diesem Samstag im Wiesbadener Schlachthof (20 Uhr) zu einem „Heimspiel“ auf. Sänger und Songwriter Timmy Rough im Gespräch.

          Vom „Hasensprung“ in Oestrich-Winkel zu Konzerten nach Miami: Mit „The New Roses“ sind Sie ziemlich weit gekommen. Cooles Gefühl?

          Cool wäre schon ziemlich untertrieben. Da man uns zu Beginn nicht mal die Überschreitung der eigenen Stadtgrenzen zugetraut hat, ist der Schritt in die Vereinigten Staaten schon eine ganze Ecke weiter. Jede Meile dieses Weges war ein hartes Stück Arbeit, deshalb freuen wir uns umso mehr über alles, was wir nun erleben dürfen.

          Was bedeutet es für Sie, auf der Tournee dann auch mal wieder im Wiesbadener Schlachthof zu spielen?

          Das gehört natürlich auch auf die Liste der Dinge, über die wir uns besonders freuen. Diese Location wird immer etwas Besonderes für uns sein. Wir haben dort unsere Teenager-Träume geträumt. Wie oft habe ich mit einem Plastikbecher Bier vor dieser Bühne gestanden und mir vorgestellt, selbst dort oben zu stehen. Von dieser Bühne aus sehe ich mich jetzt selbst im Publikum stehen. Das ist schon verrückt.

          Es ist für einen Musiker letztlich nicht egal, wo er spielt, hauptsache die Leute kommen?

          Jeder Ort hat eine eigene Magie. Jedes Konzert ist anders. Jedes Publikum braucht etwas anderes von uns. Das Schönste ist, wenn man die Magie erkennt und das Publikum versteht. Dann kann man einen besonderen Abend heraufbeschwören. Wenn das gelingt, spürt man die innere Euphorie. Beim Heimspiel steht die Verbundenheit zum Ort und die Gemeinsamkeiten mit dem Publikum im Vordergrund. Das wird im Zentrum der Show stehen.

          Frontmann Rough: „Ich liebte es, auf der Bühne zu stehen. Ich hasste es aber, im Mittelpunkt zu stehen.“

          Sie produzieren als Band Ihre Alben und Videos in der Region, ein Zeichen für Bodenständigkeit im Sinne von global denken und lokal handeln?

          Zu Beginn unseres Weges hat uns niemand wirklich zugetraut, dass dieser Weg uns irgendwo hinführen würde. Jetzt, nachdem wir uns unzählige Male beweisen mussten und auch konnten, genießen wir die Idee, das, was uns als Hindernis prophezeit wurde, in Szene zu setzen. Ich habe die Vereinigten Staaten oft besucht und bin an die Ursprungsorte des Rock'n'Roll gereist. Das Rezept ist dort das gleiche, wie sonst überall auch. Es braucht Abenteuerlust, gute und gescheiterte Liebe, ein gewisses Maß an Exzess und eine Portion Melancholie. Davon hatte ich in meiner Jugend mehr als genug. Außerdem macht es uns auch Spaß, weiterhin mit den Leuten zu arbeiten, mit denen wir einst angefangen haben und in unserer Heimat an Locations zu drehen, zu denen wir einen persönlichen Bezug haben.

          Ist Rockmusiker für Sie Berufung – oder letztlich auch nur ein Beruf?

          Es ist eine Seite meines Ichs. Ich kann viele Aspekte meines Lebens darin verbinden. Es ist kreativ, physisch anspruchsvoll, es ist sexy und humorvoll. Es ist gewaltfrei und trotzdem brutal. Natürlich bringt die Professionalisierung der Leidenschaft auch seine Schattenseiten und Kompromisse mit sich. Aber ich habe es nicht eine Sekunde bereut, diesen Schritt gegangen zu sein und glaube, noch immer sehr nah an meiner ursprünglichen Vision des Ganzen zu sein. 

          Als Frontmann auf der Bühne zu stehen: Muss man dafür geboren sein oder kann man das lernen? Wie gehen Sie mit Selbstzweifeln um?

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