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Timmy Rough von den New Roses : „Exzess und Melancholie“

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Vieles von dem, was mich antreibt sind die oben genannten Widersprüche. Dem übergeordnet steht aber das Bewusstsein. Zu versuchen, sich Augenblicken ganz bewusst zu sein. Sie wahrzunehmen und wirklich zu erleben. Träume treiben uns an, aber sie tauchen den Weg zu deren Erfüllung in neblige Bedeutungslosigkeit. Doch die eigentliche Inspiration liegt ja nicht im Moment des Erfolges oder der Erfüllung. Sie liegt in den vielen kleinen Moment auf dem Weg dorthin. Die Geschichten der Menschen, die man auf seinem Weg trifft, sind schon immer ein wichtiger Bestandteil meiner Songs. Ich wollte nie das Universum in meinen Songs enträtseln. Im Gegenteil, auf dem letzten Album faszinierte mich der Versuch, die Songs zu destillieren, so simpel wie möglich zu gestalten und auf den Punkt zu bringen. 

Mussten Sie Ihre Kollegen eigentlich am Anfang überzeugen, nicht mehr als Coverband aufzutreten? Oder war allen klar: Wir gehen gemeinsam unseren eigenen Weg?

Das war eigentlich immer irgendwie klar. Der Applaus in einer Coverband kommt einem immer irgendwie nur geborgt vor. Keiner von uns fühlte sich schon am Ziel angekommen. Und um Geld ging es uns sowieso nie.

Funktioniert eine gute Band wie eine Fußball-Mannschaft? Oder wie eine Familie? Oder eher wie Arbeitskollegen?

Ich war nie Teil einer Fußballmannschaft und Arbeitskollegen hatte ich auch nie. Ich kenne nichts anderes. Mit den Jahren lernt man eine Menge über Freiräume, Toleranz und Disziplin. Aber eine Band lebt von Emotionen, sie geht auf die Bühne, um Emotionen spürbar zu machen. Von daher ist das Arbeitsklima immer emotional aufgeladen und temperamentvoll. Das liegt in der Natur der Sache. Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere in der Band. Das ist ein Segen und ein Fluch. Aber nach so vielen Jahren und gemeinsamer Geschichte ist der Begriff Familie wohl der naheliegendste. 

Der Stil von „The New Roses“ erinnert an „Southern Rock“, was verbindet Sie mit den Südstaaten?

Es sind die Bands, die Songs, die Geschichten aus dem Leben. Die ländliche Weite spielt bestimmt auch eine Rolle. Die Wurzeln unseres Musikverständnisses liegen dort. Es wird immer das Fundament unsere Songs sein.

Schlagzeuger Urban Berz: Aus dem Rheingau in die Welt und zurück.
Schlagzeuger Urban Berz: Aus dem Rheingau in die Welt und zurück. : Bild: Picture-Alliance

Hatten Sie Vorbilder?

Aretha Franklin, Solomon Burke, Sam Cooke sind die Helden meiner Vocal-World. Das kombiniert mit den gemeinsamen Vorbildern der Band wie Aerosmith, Black Crowes, AC/DC, Springsteen und den Rolling Stones ergibt eine Mischung, die mir schon immer gut gefiel.

Wie begegnen Ihnen Leute wie ZZ Top, die Toten Hosen oder Joe Bonamassa, wenn Sie als Vorgruppe spielen? Und wie gehen Sie mit den Stars um?

Bisher haben wir nur sehr selten schlechte Erfahrungen gemacht. Wir waren zum Beispiel gerade diesen Sommer erst mit Kiss und dann mit den Scorpions unterwegs. Beide Bands und vor allem deren Crews waren unfassbar freundlich und kollegial. Im Idealfall weichte die Nervosität der Kollegialität und alles läuft entspannt. Wir begegnen diesen Bands immer mit Respekt. Demselben, mit dem wir allen Bands begegnen, die für die gleiche Sache kämpfen. Wir sind alle Teil, des gleichen Weges. Nur eben an unterschiedlichen Punkten.

Wo sehen Sie sich auf diesem Weg? Wie weit soll es gehen?

So weit die Füße tragen. Wir werden alles entfesseln, was in uns steckt und sehen, wohin es uns führt. Wenn ich eins gelernt habe, in diesem Geschäft, dann, dass du den größten Teil deiner Karriere sowieso nicht beeinflussen kannst. Glück und Zufall nehmen den Löwenanteil deiner Zukunft ein. Also kann und muss man sich auch ein Stück weit lockermachen können.

Was geben Sie selbst jungen Musikern als Tipp, wenn die Sie fragen?

Keep on keeping on. And always serve the song! Was so viel heißt wie „niemals aufgeben und immer den Song ins Zentrum seiner Motivation stellen", denn das ist es, worum sich letztlich alles dreht!

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