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Thomaskantor Andreas Reize : Am Pult des Meisters

Bachs Nachfolger kommt nach Wiesbaden: Thomaskantor Andreas Reize auf der Musikerempore der Leipziger Thomaskirche. Bild: Jens Schlueter

Als Schweizer und Katholik wurde Andreas Reize in Leipzig anfangs auch angefeindet. Mittlerweile sammelt der Thomaskantor mit dem Thomanerchor hervorragende Kritiken. Nun sind sie in Wiesbaden zu Gast.

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          Mit der historischen Tatsache, dass zu Bachs Zeiten Frauen generell nicht in der Kirche singen durften, könne man heute natürlich nicht mehr argumentieren, stellt Andreas Reize klar. Der 47 Jahre alte Schweizer, der seit Herbst 2021 der 18. Amtsnachfolger Bachs als Leipziger Thomaskantor ist und somit eine der am meisten beachteten Kirchenmusikerstellen der evangelischen Kirche in Deutschland innehat, ist davon überzeugt, dass Knabenchöre über ein spezifisches Klangbild verfügten, dass trotz aller Gleichberechtigung erhaltenswert sei. „Ich sehe das als mein Klangideal an“, sagt er und fügt hinzu, dass damit nichts gegen die Qualitäten von gemischten Chören oder Mädchenchören gesagt sei.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In seiner Geburtsstadt Solothurn ist er groß geworden und hat im Chor der Singknaben der St. Ursen-Kathedrale gesungen, den er von 2007 bis 2021 auch geleitet hat. Nun führe er als Thomaskantor weiter, „was seit Jahrhunderten gemacht wird und was ich selbst mein Leben lang gemacht habe“. Aus seiner Erfahrung heraus glaubt Reize, dass die Arbeit mit einer Gruppe von Jungen im Alter zwischen zehn und 18 Jahren auch pädagogisch wertvoll sei.

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