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Themenwoche in Frankfurt : Wider das Vergessen

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Der Frankfurter Theatermacher Willy Praml veranstaltet die Themenwoche gemeinsam mit dem „studioNAXOS“. Bild: Helmut Fricke

Theaterstücke, Konzerte und „ein antifaschistischer Stadtrundgang“: Sieben Tage lang geht es bei den Kulturveranstaltungen in der Naxoshalle um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit in Frankfurt.

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          „Gegen das Vergessen“ lautet das Motto der Themenwoche des „studioNAXOS“ und des Theater Willy Praml in Frankfurt vom 25. September bis 1. Oktober. Sieben Tage lang finden Kulturveranstaltungen in der Naxoshalle statt, in denen es um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit in Frankfurt geht. Anlässlich der Befreiung vor 75 Jahren und der seit 40 Jahren währenden Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Tel Aviv gibt es Theaterstücke, eine Ausstellung, ein Symposion, Konzerte und Führungen.

          Die Geschichte der Naxoshalle selbst ist dabei ein zentrales Thema, da sie im Nationalsozialismus als Kriegsgefangenenlager diente, wo Gefangene Zwangsarbeit verrichten mussten. Zuvor wurde die Halle als Fabrik für Schleifmaschinen von der Naxos-Union genutzt, die von der jüdischen Familie Pfungst gegründet worden war. Die Familie wurde in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts von den Nationalsozialisten verfolgt und enteignet. Die Halle wurde in den Jahren 1907 / 08 erbaut, die Produktion dort Ende der achtziger Jahre eingestellt. Heute dient sie vor allem kulturellen Zwecken.

          Das Thema auf andere Weise vermitteln

          Marie Pfungst, der letzten jüdischen Firmenchefin, wird ein großer Teil der temporären begleitenden Ausstellung gewidmet. Sie war nicht nur Pionierin der Frankfurter Frauenbewegung, sondern auch Vorkämpferin der politischen Bildung. Eine Dauerausstellung, in der Recherchen über die Zwangsarbeit sowie die Frankfurter Auschwitzprozesse ausgestellt werden, steht auch nach der Themenwoche Besuchern offen.

          Theatermacher Willy Praml hatte eine solche Themenwoche bereits im Jahre 2010 mitveranstaltet, diesmal jedoch, so sagt er, werde das Thema auf eine andere Weise vermittelt: Er schätze vor allem den Generationen übergreifenden Zugang. Insgesamt zwei Theaterstücke und eine szenische Performance werden täglich vom 26. September an aufgeführt. Die Theaterproduktionen befassen sich mit der Geschichte der Zwangsarbeiter, besonders aus polnischer Sicht.

          Eigens angelegte Recherche

          Der „antifaschistische Stadtrundgang“, der am 26. und 27. September stattfindet, bietet einen Einblick in die jüdische Geschichte Frankfurts und die Lebensrealitäten der Juden während des Nationalsozialismus. Ein Großteil der Informationen entstammt einer eigens angelegten Recherche des „studioNAXOS“. Die Forschungsergebnisse zu den Jahren zwischen 1933 und 1945 in Frankfurt werden am Eröffnungswochenende bei dem Symposion präsentiert. Darunter werden auch detaillierte Berichte über die Enteignung der Familie Pfungst sein.

          Neben dem großen Weiterbildungsangebot können zu Beginn und Ende der Woche Konzerte mit Werken von Raphael Vanoli und Luigi Nono besucht werden. Karten kann man schon jetzt im Internet unter www.studionaxos.de erwerben, allerdings sind die Teilnehmerzahlen pandemiebedingt stark begrenzt.

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