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Theater : Witzloses Unglück

Katja Hirsch als „Peta” in Chloe Moss’ Stück „How love is spelt” Bild: Bettina Müller

Ein Abc, das nicht hätte buchstabiert werden sollen: Die deutschsprachige Erstaufführung von Chloe Moss' „How love is spelt“ langweilt im TiC des Staatstheaters Mainz.

          2 Min.

          Wie buchstabiert man Liebe? Könnte eine spannende Frage sein. Die gerade 30 Jahre alte britische Stückeschreiberin Chloe Moss allerdings weiß das alles ganz genau und lässt das Fragezeichen weg. Und weil das auf Englisch einfach cooler klingt, ist bei der deutschsprachigen Erstaufführung ihres Stückes im TiC des Mainzer Staatstheaters der ursprüngliche Titel beibehalten worden: „How love is spelt“.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Ende, wenn man zwar nicht erfährt, ob die junge Peta nicht vielleicht doch noch vom Dach des schäbigen Wohnturms springt, weiß man zumindest eines: So buchstabiert man Liebe nicht. Die zerknautschten Gestalten, die Moss in ihrem Stück versammelt, haben zwar alle irgendwie eine Liebe dabei, aber sie besteht aus Schmerz, Verlust, Aneinandervorbeireden und viel Alkohol, und nie wird aus Peta und den verschiedenen nächtlichen Besuchern ihrer schäbigen Bude (Bühne: Holger Duwe) irgendetwas, das man als gut bezeichnen könnte. Keine Freundschaft, keine Beziehung, nicht einmal eine kleine Affäre. So weit, so schlecht und insofern zeitgenössisch: An kaputten Leuten herrscht derzeit ja nun wirklich kein Mangel auf der Bühne. Nicht, dass Macbeth eine besonders intakte Persönlichkeit wäre. Aber immerhin doch interessant.

          Papierne Existenzen

          Das allerdings kann man weder von Peta behaupten, die von der frischen Katja Hirsch als Mädchen aus der Provinz gespielt wird, das diesen gewissen falsch munteren Ton von Laien hat, die im Privatfernsehen auftreten. Sie redet mit dem Publikum, dem sie genauso eine erfundene Existenz schildert wie dem tumben, dafür aber männlich-coolen Joe (Joachim Mäder), dem verklemmten Geschichtslehrer Steven (Thomas Kornack) oder dem Girlie Chantelle (Franziska Hackl). Mal sagt sie, sie studiere Modedesign, dann wieder, sie arbeite in der Werbebranche - Biographiefiktionen, so banal wie Lore-Romane.

          Die anderen Figuren, sosehr sich das junge Ensemble auch Mühe gibt, die papiernen Existenzen mit Leben, zuweilen sogar mit lakonischer Komik anzufüllen, haben es da nicht besser. Natürlich hat Marion (Andrea Quirbach), Petas fürsorgliche Nachbarin, eine drogensüchtige Tochter. Natürlich arbeitet Colin, dem Peta davongelaufen ist, auf dem Bau und hat unter der harten Schale nicht nur eine weiche Birne, sondern auch ein irgendwie gutes Herz. Klischees, so weit die Ohren hören, aber nichts von diesem witzlosen Unglück möchte man genauer wissen, keiner der Figuren ist eine Facette zu entlocken, die es verlohnte, die aufgeplusterte Rätselhaftigkeit dieser nachtaktiven Einmalbesucher oder ihrer Gastgeberin zu ergründen.

          Eingriffe in den Text

          So staksen die Damen und Herren in den geschmacklosen Siebziger-Jahre-Outfits herum, die zwingend dazugehören, wenn junge Darsteller die Stücke junger Autoren über unglückliche junge Leute in unserer anonymen Gesellschaft spielen (Kostüme Grit Groß). Die einzige Frage, die wirklich bewegt, ist jene, was uns an diesem Grüppchen interessieren soll.

          Eine Frage, die sich auch Hanna Rudolph gestellt haben muss. Denn dass eine Erstaufführung nicht nur strukturell, sondern auch inhaltlich so massiv in den Text eingreift, ist auch dann eher ungewöhnlich, wenn man liest, dass die junge Regisseurin wie ihre Generationsgenossen bislang hauptsächlich Stücke „nach“ Horvath, Kleist und Shakespeare inszeniert hat. Rudolph tat gut daran, „nach“ Moss aus dem linearen Stück einen mehrstimmigen Kanon zu basteln, der mit Film- und Musikeinspielungen verbrämt ist. Immerhin gibt es so ein paar wirklich gute Pointen. Sie ragen einsam aus trister Buchstabiersuppe.

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