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Theater : Tod des TAT: Traditionsreiche Frankfurter Bühne schließt endgültig

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Am Wochenende schließt das TAT (Theater am Turm) in Frankfurt endgültig seine Pforten. Eine der renommiertesten Theaterbühnen im Nachkriegs-Deutschland verschwindet damit an Pfingsten aus der Kulturlandschaft.

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          Am Wochenende schließt das TAT (Theater am Turm) in Frankfurt endgültig seine Pforten. Eine der renommiertesten Theaterbühnen im Nachkriegs-Deutschland verschwindet damit an Pfingsten aus der Kulturlandschaft - und kaum jemand nimmt noch Notiz davon. Am Samstag (30. Mai) feiert das Haus unter dem Motto „Das letzte Hemd“ seine Abschiedsparty.

          TAT-Sprecherin Johanna Milz beschreibt die Stimmung während der letzten Tage als „leicht sarkastisch“. Insgesamt seien durch die Schließung des TAT etwa 20 Leute arbeitslos geworden. Das gut zehnköpfige Schauspiel-Ensemble war bereits Ende 2002 aufgelöst worden. Dramaturgie, Betriebsbüro und Grafiker folgen nun. Die letzten beiden Spielzeiten bestritt das TAT allein mit Gästen, die ein buntes Programm lieferten mit Tanz, Diskussionen, Film, Musik und Performances.

          Dramatische Finanzsituation Frankfurts im Hintergrund

          Grund für die Schließung des TAT ist die dramatische Finanzsituation Frankfurts. Alle Ressorts sollen sparen, auch die Kultur. Nach dem 2002 verabschiedeten Konsolidierungs-Programm soll der Zuschuß für die Bühnen schrittweise von fast 71 Millionen Euro jährlich auf etwa 60 Millionen Euro 2007/2008 abgesenkt werden. Durch die Schließung des TAT spart die Stadt etwa drei Millionen Euro im Jahr.

          Der umstrittene Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff (SPD) war der Meinung, die Schließung des TAT hinterlasse eine nicht allzu große Lücke. Das TAT sei schließlich kein Museum, keine Institution, die einen ganz klaren Pfosten eingerammt habe. „Auch ohne TAT gibt es künftig experimentelles Theater in Frankfurt“, sagte er mit Blick auf den Mousonturm und das Schauspielhaus unter Intendantin Elisabeth Schweeger.

          Der Aufschrei vor zwei Jahren, als die Abwicklung des TAT beschlossen wurde, war groß. „Die Stadt Frankfurt hat einen Knall“, meinte etwa der ehemalige TAT-Chef und jetzige Intendant des Hamburger Schauspielhauses, Tom Stromberg. Der Bühnenverein nannte die Schließungspläne „provinziell“. „Das TAT war ein echtes Stück Frankfurter Theatergeschichte“, sagt der Frankfurter Theater- Wissenschaftler Hans-Thies Lehmann („Postdramatisches Theater“). Schon die Herkunft aus einer Landesbühne mit volksaufklärerischer Zielsetzung sei „sehr speziell“ gewesen.

          In den fünfziger Jahren gegründet

          1953 wurde die Landesbühne Rhein-Main gegründet, aus der Anfang der sechziger Jahre das „Theater am Turm“ wurde. Der Name stammte vom damaligen Spielort im Volksbildungsheim am Eschenheimer Turm in der Innenstadt. In dem Gebäude befindet sich heute ein Multiplexkino. Die meistens nur noch TAT genannte Bühne zog später ins Bockenheimer Depot, ein ehemaliges Straßenbahndepot an der Universität. Als Spielstätte wird das Depot für Schauspiel und Oper erhalten bleiben.

          Die erste Hochphase erlebte das TAT mit gesellschaftskritischen Theaterarbeiten in den sechziger Jahren. Höhepunkt war 1966 die Uraufführung von Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ durch Claus Peymann, damals Oberspielleiter am TAT. Eine zweite Blüte erlebte das TAT zwischen 1985 und 1996. Unter der maßgeblichen Leitung von Tom Stromberg wurde es Heimstätte neuer Theaterformen. „In dieser Zeit war das TAT eine der international bedeutendsten Bühnen“, sagt Theater-Wissenschaftler Lehmann. Regie-Größen wie Robert Wilson oder Peter Brook agierten damals in dem Theater. „Das TAT zu schließen ist Beispiel einer sonderbaren kulturpolitischen Selbstmordneigung“, meint Lehmann.

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