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Theater : Psst - schöne, kleine Kunst!

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Wanda Golonka in ihrem Sachsenhäuser „Einladen” Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Wanda Golonka, Regisseurin am Schauspiel Frankfurt, hat mit dem „Einladen“ in Sachsenhausen einen Ort für kleine, schöne Kunst eingerichtet. Doch man muss sich überraschen lassen. Vorher weiß man nie, welcher Dichter oder Komponist präsentiert wird.

          Nebenan werden Plätzchen gebacken, vorne im Laden wird die Weihnachtsgeschichte vorgetragen, in drei Varianten: Die Erzählung des Lukasevangeliums, untermalt und kontrastiert von einem Saxophon; eine Hörspielfassung, nur Geräusche und Rufe; eine aktuelle Version - das Jesuskind stirbt, Maria und Josef irren durch die Hunger- und Kriegsgebiete der Welt.

          Bei aller Ernsthaftigkeit dominiert doch ein leichter Märchenton. Dies ist eine der Veranstaltungen, zu denen Wanda Golonka, Hausregisseurin am Schauspiel Frankfurt, seit Beginn der Spielzeit in einen ehemaligen Laden in der Schulstraße 1 in Sachsenhausen einlädt. Die Reihe wird bis Sommer 2007 fortgesetzt. Unter dem Label „Einladen“ finden sich Titel wie „Diwan“, „Psst“, „Verknallt“ oder „Clandestine“. Wer öfter kommt, hat zumindest eine Vorausinformation: Bei „Diwan“ werden Gedichte vorgetragen, auch bei „Psst“ geht es um Literatur, „verknallt“ ist immer ein Schauspieler in seine Lieblingsmusik, die er an dem Abend spielt. Aber man weiß nie vorher, welcher Dichter oder Komponist präsentiert wird, der Bogen reicht von Hafis über Augustinus bis Ringelnatz, von Steve Reich bis zu avancierter Folklore.

          Überraschung ist eine Grundkonstante

          Auch die Art des Vortrags variiert. Es gibt die klassische Lesung - fremdsprachige Gedichte, etwa von Anna Achmatova und Sergej Jessenin, hört man nicht nur in der Übersetzung, sondern auch im Original -, aber auch die durchinszenierte Performance, besonders eindrucksvoll beim Briefwechsel zwischen Paul Celan und Ilana Schmueli. Und statt großer Dichtung kann bei „Psst“ auch plötzlich New-Wave-Musik ertönen. Nur auf eines kann man sich verlassen, es gibt Rotwein oder Tee und was zu knabbern, meist vom Libanesen um die Ecke.

          Überraschung, das ist die eine Grundkonstante von „Einladen“, die Zuschauer sollen sich unvoreingenommen auf etwas vielleicht Bekanntes, meist aber Neues oder Fremdes einlassen. Und sie können anschließend mit Wanda Golonka und den Künstlern und untereinander darüber sprechen: Kommunikation ist die zweite Konstante. Da nur 15 Besucher im Laden Platz haben, kommt man schnell ins Gespräch, und es führt oft über die gerade erlebten Kunstwerke hinaus.

          Ein literarisch-musikalischer Salon

          „Clandestine“ fällt etwas aus dem Rahmen: Ein Schauspieler und eine theaterfremde Person wandern einen Tag lang durch Frankfurt und erzählen davon. Der Ausgangspunkt ist meist kurios: Wenn zum Beispiel an diesem Datum vor 145 Jahren Fridtjof Nansen geboren wurde, hat Wanda Golonka die Karte seiner Polarexpedition auf den Frankfurter Stadtplan gelegt und so die Route vorgegeben. An diesen Abenden wird ein vorzügliches Essen serviert, gekocht von einem Mitarbeiter des Theaters, die Gespräche ergeben sich zwanglos rund um den Tisch.

          „Einladen“ ist ein literarisch-musikalischer Salon, der Traditionen des 19. Jahrhunderts oft mit der Technik des 21. verbindet, Computer und DVDs werden häufig benutzt. Kurz vor Weihnachten hat Wanda Golonka einen „Rückblick“ auf die ersten drei Monate präsentiert, der zu wechselnden Anfangszeiten noch zu sehen ist: eine Installation, eigentlich eine DVD-Projektion, die durch den Raum wandert, ineinander montierte Aufnahmen von verschiedenen Abenden, die durch ihre nicht perfekte Machart das Vorläufige, Vorüberwehende dieser schönen, kleinen Kunstereignisse spürbar machen.

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