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Theater : Premieren im Doppelpack

Endlich wird es kalt, hurra! Und wenn es draußen fröstelt, ist es im beheizten Theatersaal warm und gemütlich: Die Theaterinszenierungen der nächsten vier Wochen.

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          Endlich wird es kalt, hurra! Bevor nach allgemeinem Gejammer über den Sommer (zu kurz), den Herbst (zu warm) das Gejammer über den Winter eintritt (zu kalt), kann man sich auch mal kurz darüber freuen, daß Theater innen hohl und meist gut geheizt sind - also unbedingt dazu verlocken, sie zu betreten und zu schauen, was es da gibt. Diese Neugier ist Willy Loman gründlich abhanden gekommen, wie die Freude am Leben überhaupt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit Arthur Millers desillusionierendem „Tod eines Handlungsreisenden“, inszeniert von Florian Fiedler, hat das Schauspiel Frankfurt am Freitag um 19.30 Uhr eine Premiere vor sich, in der mit dem „American dream“ kühl und gründlich aufgeräumt werden dürfte. Kleists Prinz Friedrich von Homburg hingegen weiß bis zuletzt nicht wirklich, wann er gewacht und wann er geträumt hat - für ihn allerdings geht die Sache dann doch gut aus, was einen Tag vor Willys Selbstmord, am Donnerstag, Armin Petras zur Premiere bringt. Nach diesem vorweihnachtlichen Kraftakt an zwei Abenden steht der nächste Klassiker erst für den 19. Januar ins Haus: Dann zeigt Andre Wilms die „Dreigroschenoper“, in der es eigentlich auch nicht lustiger zugeht als in Willy Lomans guter Stube - worüber die Musik aber seit beinahe 80 Jahren geradezu hinwegtröstet.

          In Mainz hingegen versucht eine junge Frau, alles anders zu machen und ganz allein: Das Staatstheater zeigt am 5. Januar in deutschsprachiger Erstaufführung, wiewohl mit englischem Titel, ein Stück der jungen britischen Dramatikerin Chloe Moss: „How love is spelt“. Dafür hat Schiller fleißig aus dem Französischen übersetzt und aus Louis-Benoit Picards 1797 erschienener Komödie „Mediocre et rampant“, was soviel heißt wie „Mittelmäßig und kriecherisch“, einen „Parasiten“ gemacht - und den hat man nicht nur im Schillerjahr schon ein paarmal gesehen, weil ansonsten der Klassiker wenig Komisches bietet. Das Staatstheater Mainz zeigt ihn gleich am folgenden Tag, dem 6. Januar, im Kleinen Haus. Nicht nur in Frankfurt wird also im Doppelpack gearbeitet.

          In Wiesbaden hingegen, wo am selben Tag Schillerndes zur Premiere kommt wie in Mainz - in diesem Fall aber ein Original-Schiller, „Maria Stuart“, in der Regie von Dietrich Hilsdorf - geht man in Portionen vor. Ein bißchen Abstand zur nächsten Premiere tut nach diesem Drama gut, denn Fassbinders „Tropfen auf heiße Steine“, das am 13. Januar in der Wartburg Premiere hat, ist ein nervenzerreißendes Psychodrama zwischen heiß und kalt. Eine waschechte ehemalige Fassbinder-Schauspielerin hingegen ist vom 18. Januar an im Frankfurter Mousonturm zu sehen: Irm Hermann, schon in der vorigen Produktion, „Frankenstein“, von Norton Commander zu sehen, ist diesmal auch in der „Zone“ nach Tarkowskijs „Stalker“ unterwegs. Dort dürfte es ziemlich kalt sein, selbst bei geheiztem Theater.

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