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„Theater & Nedelmann“ schließt : Noch ein Jahr bis zur letzten Vorstellung

  • -Aktualisiert am

Schauspielerduo: Das Ehepaar Friederike und Oliver Nedelmann auf der Bühne ihres Wohnzimmer- und Terrassentheaters in Rödermark-Urberach. Bild: Wonge Bergmann

Seit fast 20 Jahren bereichert das „Theater & Nedelmann“ das Kulturleben in Rödermark. Im Sommer 2023 wird damit Schluss sein. Ohne Corona wäre es vielleicht noch nicht dazu gekommen.

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          Ein Jahr wollen Friederike und Oliver Nedelmann noch durchhalten. Dann soll Schluss sein mit dem „Theater & Nedelmann“ im Rödermarker Stadtteil Urberach. Wenn es so weit ist, wird das Schauspielerehepaar fast zwei Jahrzehnte das örtliche Kulturleben mit seinem Wohnzimmertheater bereichert haben. Zwei Gründe geben den Ausschlag dafür, die Türen der Spielstätte Mitte 2023 zu schließen. Der eine hat sechs Buchstaben: Corona. Trotz aller Lockerungen macht die Pandemie dem kleinen Theater – wie anderen Veranstaltern auch – weiterhin zu schaffen: Zwar können seit April Veranstaltungen wieder ohne Einschränkungen und Auflagen stattfinden, doch die Zahl der Besucher bleibt weit hinter dem Zuspruch zurück, dessen sich das „Theater & Nedelmann“ vor Corona erfreute.

          Den ganzen Winter über habe man Gästezahlen gehabt, „die ein Theater nicht finanziert hätten, wenn es nicht staatliche Corona-Hilfen für Künstler gegeben hätte“, sagt Oliver Nedelmann. Dank der Unterstützung sei das Theater aus der Corona-Zeit „unmittelbar ohne großen finanziellen Verlust herausgegangen“. Mittelbar sei dem Unternehmen jedoch „die Wirtschaftlichkeit entzogen“. Man könne die Kultureinrichtungen zählen, „die trotz Corona genau die gleichen Zahlen schreiben wie vorher“.

          Viele Gäste, aber nicht genug

          Jeweils rund 50 Besucher können die Vorstellungen des Wohnzimmertheaters in normalen Zeiten verfolgen. Mit durchschnittlich jeweils 45 Gästen konnten Friederike und Oliver Nedelmann vor Corona rechnen. Im Frühjahr 2020 kam jedoch der Lockdown. Von Juni 2020 an durfte wieder gespielt werden – allerdings nur mit Abstand und höchstens 20 Personen, die Künstler eingeschlossen. Plexiglasscheiben sorgten für Distanz; dazu stellten Nedelmanns fünf Lüftungsgeräte in ihrer Spielstätte auf und brachten auch eine Klimaanlage an.

          Der „Lockdown light“ von Oktober 2020 bis Ende Mai 2021 ließ alle kulturellen Einrichtungen auf die Inzidenzzahlen schauen. Das „Theater & Nedelmann“ musste ebenso eine weitere Zwangspause einlegen wie andere Spielstätten auch. Erst von Juni 2021 an standen Friederike und Oliver Nedelmann wieder auf ihrer kleinen Bühne. Im vergangenen Winter spielten sie jeweils vor 20 oder 22 Besuchern. Derzeit finden sich zwischen 25 und 30 Gäste zu den Vorstellungen ein.

          Privat und öffentlich: Das Wohnzimmer ist auch Spielstätte.
          Privat und öffentlich: Das Wohnzimmer ist auch Spielstätte. : Bild: Wonge Bergmann

          Im Vergleich zu den früheren Einschränkungen sei dies zwar viel, aber trotzdem nicht genug, machte der 58 Jahre alte Oliver Nedelmann deutlich. Man habe gedacht, dass die Menschen, die meist mehrfach geimpft seien, wiederkämen, zumal die Vorstellungen derzeit im Freien, auf einer kleinen Bühne direkt neben dem Eingang zum Theater, stattfinden. „Aber das passierte nicht.“

          Eine Antwort auf die Frage, warum sich weniger Menschen zum Theaterbesuch entschließen, hat Oliver Nedelmann nicht. Vielleicht reichten eineinhalb oder zwei Jahre aus, um Gewohnheiten fundamental zu brechen, macht er sich so seine Gedanken. Alle kulturellen Veranstaltungen, die von einem nicht mehr ganz jungen Publikum getragen werden, „leiden im Moment“.

          Ohne Corona hätte man länger durchgehalten

          Auch ohne Corona hätte irgendwann die letzte Vorstellung auf dem Spielplan des Wohnzimmertheaters gestanden: Für Friederike Nedelmann beginnt in absehbarer Zeit ein neuer Lebensabschnitt. Dies ist der zweite Grund, warum sich beeilen sollte, wer das Theater noch in Aktion erleben möchte. 2023 wird die Schauspielerin 65 Jahre alt und im Februar 2024 in Rente gehen. Als gelernte Bibliotheksfacharbeiterin, ein Beruf, den es nur in der früheren DDR gab, Museumsaufsicht, Lehrerin, Souffleuse und Schauspielerin hat sie dann 50 Jahre gearbeitet und ebenso lange Rentenbeiträge eingezahlt.

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