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Theater, Kinos, Clubs in Hessen : Die Kultur zwischen 2 G und 2 G Plus

Mit Schachbrett oder lieber 2G Plus: Die Städtischen Bühnen Frankfurt haben sich für den Zusatztest entscheiden „bis auf weiteres“. Bild: Picture-Alliance

Freiwillig ein zusätzlicher Schnelltest oder lieber die Sitzplätze begrenzen? Die neuen Coronaverordnungen stellen auch den Kulturbetrieb vor Herausforderungen

          3 Min.

          In den nächsten Tagen dürfte es sich lohnen, auf den Internetseiten der Kulturhäuser nachzusehen, für welche Regelung sie sich jeweils entschieden haben. Denn einen gewissen Spielraum zwischen 2G oder 2G Plus gibt es, vor allem bei kleineren Theatern oder Kinos.
          Nach der neuen Landesverordnung in Hessen gilt für Kulturveranstaltungen in Innenräumen grundsätzlich der Einlass für Geimpfte und Genesene, also 2G,  auch in  Museen. Allerdings gehen  zahlreiche Einrichtungen über diese Regelung hinaus, um eine Beschränkung der Plätze zu vermeiden.

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          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Nachdem die Frankfurter Landungsbrücken schon zum 22. November angekündigt hatten, aus Gründen der Verantwortung für Künstler und Gäste auf 2G Plus umzustellen, also nur noch Personen einzulassen, die geimpft, genesen und zusätzlich mit einem aktuellen Bürgertest versehen sind, führen die Städtischen Bühnen Frankfurt mit dem 25. November ebenfalls 2G Plus ein.  Geplant ist, eine kleine Teststation für Besucher vor den Bühnen einzurichten, aufgrund des Andrangs wird aber empfohlen, ein Testzentrum aufzusuchen, so die Bühnen. Die Option 2G ohne Test hätte zur Folge gehabt, so die Intendanten Anselm Weber und Bernd Loebe,  die Zahl der Plätze reduzieren und bereits verkaufte Karten aus Platzmangel zurücknehmen zu müssen. „Dies wollen wir bis auf weiteres vermeiden.“ Auch das Staatstheater Wiesbaden führt die Regelung 2G Plus ein.

          „Bis auf weiteres 2G“

          Das „bis auf weiteres“ sieht auch Christopher Bausch, Betreiber der Frankfurter Arthouse Kinos Harmonie, Cinema und Eldorado so. Bausch hatte in seinen Kinos seit der Wiedereröffnung freiwillig immer je einen Platz zwischen Besuchern oder Besuchergruppen frei gelassen und die Auslastung gesenkt. In seinem vierten Haus, dem Casino im bayerischen Aschaffenburg, gelte schon 2G Plus, dazu eine Auslastung von maximal 25 Prozent. Er rechnet auch in Hessen und bundesweit mit weiteren Einschränkungen, wenn nicht gar einer weiteren Schließung. „Das ist für uns tödlich“, sagt der junge Kinounternehmer. Es sei schwierig gewesen, nach dem Lockdown im Sommer wieder anzufangen, erste Verleiher schöben schon wieder Filmstarts ins neue Jahr.

          Dass in der Gastronomie deutlich laxere Regeln gelten, führe nun in Bayern zu einer Klage der Kinobetreiber, so Bausch. Nicht nur er ist empört, dass ein weiteres Mal die Gastronomie  weniger strenge Regelungen hat, allerdings berichtet auch er von  Besuchern, die sich über die Regeln aufregen – obwohl sie nur umgesetzt würden.

          Kinobetreiber in Bayern wollen klagen

          Kleinere Häuser wie etwa das Neue Theater Höchst haben ebenfalls 2G plus eingeführt.  Nur so sei es möglich, den Spielbetrieb ohne Abstandsregeln und generelle Maskenpflicht aufrecht zu erhalten, so das Theater.  Andere Häuser, wie der Mousonturm Frankfurt, setzen auf 2G mit Maskenpflicht und bestuhlen dafür im Schachbrett.

          Auch in der Alten Oper gilt von 25. November an die 2G-plus-Regelung. Das Konzerthaus darf unter dieser Zulassungsbeschränkung weiterhin voll besetzt werden. Die Maskenpflicht bleibt bestehen, nur auf ihren Sitzplätzen im Saal dürfen die Besucher die Maske während der Veranstaltung abnehmen. Markus Fein, der Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper, sagte, man werde alle Sicherheitsstandards einhalten. Er äußerte jedoch zugleich die Sorge, dass die Information, dass nun für den Besuch der Alten Oper ein tagesaktueller Bürgertest vorgelegt werden muss, nicht mehr rechtzeitig bei allen Gästen ankomme und viele womöglich am Eingang abgewiesen werden müssten.

          Tanzen nur mit Zusatztest

          Generell mit 2G Plus ist der Einlass für Clubs, Discotheken und Tanzveranstaltungen geregelt, es ist also grundsätzlich ein zusätzlicher zertifizierter Schnelltest nötig für Geimpfte und Genesene. Diese Regelung betrifft zahlreiche Institutionen im Grenzbereich von Club- und Konzertbetrieb, etwa den Hafen 2 in Offenbach, den Schlachthof Wiesbaden, auch der Mainzer Club „Schon Schön“ hat nun einen  Einlass mit  2G Plus.

          Die ersten Verschiebungen und Absagen allerdings treffen die Branche auch schon, oder aber die Häuser schließen erst einmal. Das betrifft etwa den Colos-Saal in Aschaffenburg, der alle Veranstaltungen bis 15. . Dezember abgesagt hat; aber auch das Hessische Literaturforum hat die letzten zwei Veranstaltungen des Jahres kurzerhand ins nächste verschoben. Die Romanfabrik Frankfurt etwa bleibt bei 2G mit Maske, was seit Anfang November gilt, zu 2G mit Maske geht morgen auch das Frankfurter Literaturhaus über, das bislang bei 3G geblieben war.

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