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Theater im Mousonturm : Afropäische Fragen

Theater im Mousonturm: Eine Gruppe Schauspieler, die an nichts weniger glauben als daran, mit und im Theater Zukunft gestalten zu können. Bild: Christophe RAYNAUD DE LAGE

Dieudonné Niangouna ist einer der bekanntesten afrikanischen Theaterkünstler. Nun kommt er wieder an den Mousonturm in Frankfurt.

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          Im europäischen, auch im deutschen Theater ist er angekommen: Dieudonné Niangouna ist, seit er vor zehn Jahren sein erstes Stück gezeigt hat, als Autor, Regisseur und Darsteller hierzulande bekannt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im April 2018 hat Niangouna am Berliner Ensemble, das vom früheren Frankfurter Schauspiel-Intendanten Oliver Reese geführt wird, sein Auftragswerk „Phantom“, das Kolonialgeschichte und deutsch-afrikanische Gegenwart miteinander verbindet, selbst uraufgeführt. Reese konnte etliche von Niangounas Arbeiten in Frankfurt sehen.

          Denn dem Mousonturm ist er, wie Akira Takayama, seit 2014 als „assoziierter Künstler“ verbunden. Stücke wie „Nkenguégi“ und „Le Socle des Vertiges“ waren unter anderem bei den Schwerpunkt-Festivals „Afropean Mimicry and Mockery“ zu sehen, und das „Afropäische“ ist eine der Fragen, die nicht wegzudenken sind aus dem Werk Niangounas. Der einerseits die Wirklichkeit und die Geschichten Afrikas auf die Bühnen der Welt bringen will und zugleich zutiefst geprägt ist von der klassischen Literatur und Dramatik Europas – nicht zuletzt, wie er einst erzählte, dank der Bibliothek seines Vaters, eines strengen Linguistik-Professors mit hohem Bildungsanspruch.

          Europäische Kolonialgeschichte

          Das „Afropäische“ ist eine Frage, die all den Gastspielen, Festivalprojekten und Auftragsarbeiten zugrunde liegt, mit denen Dieudonné Niangouna, Jahrgang 1976, seit einigen Jahren erfolgreich unterwegs ist: Erst hat er auf den Straßen Brazzavilles Theater gemacht, schon seit 1997 spielt seine mit seinem Bruder Criss Niangouna gegründete Compagnie Les Bruits de la Rue Stücke, die aktuelle Probleme, den Bürgerkrieg, die Geschichte Kongos mit literarischen Stoffen und europäischer Kolonial- wie Kulturgeschichte verschränken.

          Szene aus dem neuen Projekt „Trust, Shakespeare, Alléuia“ von Dieudonné Niangouna

          Der Erfolg und die erweiterten Möglichkeiten für kontinuierliches Arbeiten kamen auch für Niangouna, seit Les Bruits de la Rue neben Brazzaville auch das Ortszeichen Paris tragen. Seit Niangouna mit seinen Kollegen an verschiedenen der französischen Centres dramatiques nationaux, also der Theater-Produktionszentren etwa in Ivry, Montpellier oder Val de Marne, kooperiert, die zusammen mit dem Mousonturm und weiteren Partnern auch das große neue Projekt „Trust/Shakespeare/Alléluia“ koproduziert haben.

          Rückkehr an den Mousonturm

          Ein Dilemma, das Niangouna auch immer wieder zu Stellungnahmen bringt wie jener, als anlässlich des Afrika-Schwerpunktes beim Festival in Avignon, wo er mehrfach eingeladen und Residenzkünstler war, kein Sprechtheater zu sehen war: Wer die Sprache eines ganzen Kontinents nicht abbilde, pflege einen kolonialistischen Blick.

          Nun kehrt Niangouna mit seinem großen Ensemble und einer vierstündigen Überschreibung, Überlagerung, Neuerfindung zurück an den Mousonturm, die es anders versucht: Zu sehen sein wird eine Gruppe Schauspieler, die an nichts weniger glauben als daran, mit und im Theater Zukunft gestalten zu können.

          Wohin mit dem Leid und der Gewalt der Welt im Theater? Was ist mit der eigenen Geschichte angesichts von Hamlet, Othello, Macbeth? Niangouna, der weder die Wut noch die Opulenz scheut, verschränkt Shakespeare, afrikanische Vergangenheit und Gegenwart, Kapitalismuskritik und vieles mehr – und ist selbst einer der 18 Darsteller.

          Trust/ Shakespeare/ Alléluia

          Mousonturm Frankfurt, 25. und 26. Oktober, 19 Uhr

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