https://www.faz.net/-gzg-8om3w

The Temperance Movement : Mit angeschmirgelten Stimmbändern

Hingehört: Phil Campbell (links) singt sich die Seele aus dem Hals. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die britische Band The Temperance Movement spielt im Colos-Saal in Aschaffenburg. Den Abgang zweier langjähriger Mitglieder hat die Band noch nicht ganz verdaut.

          2 Min.

          Von Mäßigung keine Spur: Phil Campbell stürmt auf die Bühne des Colos-Saal in Aschaffenburg, als wäre ein Wespenschwarm hinter ihm her, den es mit wild rudernden Armbewegungen zu verscheuchen gilt. Dazu bellt er aus heiserer Kehle „Modern Massacre“, und wer Campbell bisher noch nicht live auf einer Bühne erlebt hat, wäre sofort überzeugt, dass dieser dünne Mann schon nach einem Lied unter die Sauerstoffmaske und anschließend gleich zur Stimmbänderoperation muss. Auf diese Weise pflegt sich der Frontmann der britischen Bluesrock-Band The Temperance Movement aber nur einzusingen und einzugrooven für eine gut achtzig Minuten dauernde sängerische Tour de Force.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der aus Glasgow stammende Campbell hatte ja vor der Gründung seiner fünfköpfigen Band im Jahr 2011 sein Glück als Singer/Songwriter versucht und dabei möglicherweise festgestellt, wie aufregend seine Stimme klingt, wenn diese etwas heiser ist. Dann weckt sie nämlich Erinnerungen an den jungen Rod Stewart, als der noch bei den Faces sang, an Burton Cummings (The Guess Who) oder Paul Rodgers zu seiner Zeit mit Bad Company. Diese Bands und dazu noch die Black Crowes könnten als Vorbilder für den Sound gedient haben, den The Temperance Movement auf ihrem Debütalbum und auf ihrem zweiten, in diesem Jahr veröffentlichten Werk „White Bear“ anschlagen.

          Wilsons druckvolles Spiel fehlt

          Auf Letzterem mag die frühere Gospel-Orientierung zwar zugunsten härter und kompakter rockender Songs drangegeben worden sein, doch im Konzertprogramm fügt sich die Mischung aus hingebungsvollen Balladen wie „Pride“ und „Smouldering“ und strammen, von Matt Whites Slide-Gitarre vorangetriebenen Stompern wie „Midnight Black“, der neuen Single „Three Bulleits“ oder „Take It Back“ zu einem überzeugenden Ganzen, bei dem vor allem Campbell mit jedem Ton zu wachsen scheint, um dann passgenau zur Zugabe „Lovers and Fighters“ geradezu denkwürdig zu singen.

          Es ist gewiss seine Stimme, die dieses Quintett aus der Flut vieler guter neuer Bands, die sich an der harten Rockmusik der frühen siebziger Jahre orientieren, hervorhebt. Die Band selbst, so der Eindruck, muss nach zwei wichtigen Umbesetzungen dagegen erst wieder zu der kompakten Einheit zusammenfinden, die sie schon einmal war. Nach Gitarrist und Gründungsmitglied Luke Potashnick hat vor drei Wochen auch Schlagzeuger Damon Wilson aus familiären Gründen die Gruppe verlassen. Selbst wenn sich Aushilfskraft Mikey Sorbello, der sonst im als Vorprogramm verpflichteten Duo The Graveltones trommelt, nach Leibeskräften müht, fehlt doch Wilsons druckvolles Spiel. Da kann auch Campbells wildes, für einen Luftschlagzeug-Wettbewerb geeignetes Gefuchtel mit den Armen nichts ausrichten.

          Weitere Themen

          Im Sommer geht das Filmforum wandern

          Wiedereröffnung : Im Sommer geht das Filmforum wandern

          Sabine Imhof will die Stärken des Filmforums Höchst bewahren und behutsam in die Zukunft führen – auch digital. Das Vorführen von Filmen hat Imhof in Frankfurt von der Pike auf gelernt.

          Haus stürzt bei Feuer ein

          Verdacht der Brandstiftung : Haus stürzt bei Feuer ein

          In Friedrichsdorf ist in der Nacht zu Samstag ein Haus den Flammen zum Opfer gefallen. Zeugen hatten einen Mann beobachtet, der kurz nach Ausbruch des Feuers davonlief. Die Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung.

          Topmeldungen

          Laurence des Cars

          Laurence des Cars : Die Managerin des Louvre

          Die Kunsthistorikerin Laurence des Cars ist die erste weibliche Direktorin des größten Museums der Welt. Jetzt muss sie beweisen, dass sie auch mit einer finanziellen Notlage klarkommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.