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The Rake’s Progress Bild: Andreas Etter

„The Rake’s Progress“ in Mainz : Schatten in Weiß

  • -Aktualisiert am

Regisseur Immo Karaman inszeniert Igor Strawinskys Oper „The Rake’s Progress“ als augenfällige Geschichte in schwarz-weiß.

          2 Min.

          Die Geschichte ist zu Ende – und das Ende ist schwarz. Tom Rakewell ist von Dunkelheit umfangen. Zusammengekauert, aus seinem Um­feld isoliert, liegt er da. Es ist eine ebenso beklemmende wie zwingende Zuspitzung, die Regisseur Immo Karaman aus Igor Strawinskys Oper „The Rake’s Progress“ herausarbeitet: Der vom Wahnsinn geschlagene Mensch, der gerade noch seine Seele retten konnte. Am Wochenende feierte die Produktion des Musikwissenschaftlers am Staatstheater Mainz Premiere, als letzte der laufenden Spielzeit.

          Auffälligstes Merkmal der Inszenierung ist die nahezu völlige Reduktion auf die Elemente Schwarz und Weiß. Karaman und sein Bühnenbildner Rifail Ajdarpasic verlegen die Handlung von Strawinskys im Stile des Neoklassizismus gehaltener Oper nicht in eine imaginäre Szenerie, sondern be­freien sie gleichsam von ihren Äußerlichkeiten: Tom Rakewell (Daniel Jenz) sitzt zu Beginn im hellen Pepitaanzug an einem weißen Tisch, vor ei­nem weißen Haus, erhält aus einer weißen Kanne Tee. Seine Verlobte Anne Trulove (Alexandra Samouilidou) und ihr Vater (Stephan Bootz) sind komplett weiß geschminkt, weiße Haare, weiße Kleidung.

          Erst mit Nick Shadow (Peter Felix Bauer) kommt das Dunkle hinzu: Ein komplett in schwarz gekleideter An­zugträger mit Sturmhaube und Handschuhen, eine Art Gegenspieler und Al­ter Ego zugleich. Und so, wie die Musik dieser 1951 uraufgeführten Komposition zunehmend düsterer und einengender wird, ändert auch Karaman das Schattenspektrum, bringt zu­nehmend Grautöne hinein, schmut­zige Schlieren, bis am Ende ein tiefes Schwarz vorherrscht. Die Bilder selbst wirken dabei grotesk überzeichnet. Anne erscheint anfänglich als filigranes Porzellanmädchen. Das Zitat der gleichnamigen Figur aus Sam Raimis Fantasy-Film „Die fantastische Welt von Oz“ aus dem Jahr 2013 ist unübersehbar. Der Chor hingegen weckt mit schief geschminkten Mündern Assoziationen an die Comicwelten des irren Spiderman-Gegenspielers Joker, andere Stilelemente sind unverkennbar etwa aus Tim Burtons Stop-Motion-Film „Corpse Bride“ von 2005 entnommen. Ein ganz klein wenig Farbe kommt erst ins Spiel, als sich Anne in London auf die Suche nach Tom macht. Sie hat nun keine weißen Haare mehr, trägt stattdessen Kupferblond, auch ihr Kleid bekommt farbige Tupfen. Gleichzeitig hat sich der Farbencode zwischen Nick und Tom gewandelt: Shadow ist nun der Reine, während Rakewell zunehmend dem Dunklen verfällt. Aha.

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