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„The Moody Blues“ im Konzert : Üppiger Klang, großes Gefühl

Wie vor 40 Jahren: Justin Hayward (li.) und John Lodge greifen in die Saiten Bild: F.A.Z. - Felix Seuffert

In der Alten Oper gaben „The Moody Blues“ ein Konzert, das sich auf die frühen Stücke der Band konzentrierte. Der Höhepunkt war, wie zu erwarten, „Nights in White Satin“.

          2 Min.

          Glühende Wangen, feuchte Augen und da und dort blau leuchtende Schwenkobjekte über den ergrauten Köpfen: Die „Silver Sex“-Generation war weitgehend unter sich und gedachte der Zeiten, als zu den wehmütigen Klängen von „Nights in White Satin“ die ersten zwischengeschlechtlichen Annäherungsversuche beim Tanztee im Gemeindehaus oder in Hans-Günthers Partykeller stattfanden. Die Eingangstakte der Ballade waren einst das imperative Mandat, auf Tuchfühlung zu gehen, statt sich weiterhin aneinander vorbei zu bewegen. Ein paar Minuten lang währte der Traum von den Nächten in weißem Damast. Länger dauerte er auch beim Konzert der „Moody Blues“ im Großen Saal der Alten Oper nicht.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei hätte die Band ihn gut und gern noch einmal wiederholen können. Denn natürlich haben alle darauf gewartet. Und sie wurden nicht enttäuscht: Der Song klang wie vor 40 Jahren. Die Gruppe ist nach Jahren des Experimentierens mit dem eigenen Material zur Originalklang-Pflege zurückgekehrt. Das Publikum in Frankfurt, der letzten und einzigen deutschen Station auf ihrer Europa-Tournee, dankte es ihr mit minutenlangen Ovationen. Kaum einen hielt es mehr auf den Sitzen. Die vollbesetzte Halle vibrierte. Pop ist Gefühl. Und Gefühl ist alles.

          Die Band zielt unmittelbar auf die Herzgegend

          Der größte Erfolg der britischen Kuschelrocker, die freilich auch die härtere Gangart beherrschen, war nicht der Abschluss des Konzerts: Es folgte noch „Question“ und als Zugabe „Ride My See-Saw“, schnelle Stücke, beide ebenfalls aus der fruchtbaren Frühzeit der Musiker, die mit Mellotron und bald auch mit Orchestermusikern arbeiteten, um sinfonische Effekte in ihre Werke einzubauen. Die satten Klangteppiche, der Einsatz der Querflöte, die eingängigen Melodiebögen über schweren Rhythmen, die Tempiwechsel innerhalb ein und desselben Liedes sind charakteristisch für eine Band, die zum Bombastrock neigt und heute weniger denn je Improvisationen Raum lässt. Sie war, abgesehen von einer Durststrecke in den Siebzigern, regelmäßig auf Tour, hat ihr Bühnen-Konzept regelmäßig auf den Prüfstand gestellt und so im Unterschied zu anderen Musikern, die nach vielen Jahren an ihre große Zeit anknüpfen wollen, die Qualität ihrer Live-Auftritte gesichert. Der Perfektionsgrad ist hoch. Das geht auf Kosten der Spontaneität. Aber die Besucher eines „Moody-Blues“-Konzerts wollen auch nicht, dass sich die Band jeden Abend neu erfindet. Gewünscht ist Kontinuität.

          In Frankfurt waren freundliche Herren zu erleben, die nicht den Fehler machen, im Großvateralter wie Irrwische über die Bühne zu fegen. Sie präsentieren sich als in Würde gealterte Rock-’n’-Roll-Veteranen. Peinliche Mätzchen bleiben einem bei dieser Combo erspart. Ihre besondere Ader für das Tiefmelancholische zeigen Songs wie „Isn’t life strange“, wobei Sänger und Bassist John Lodge „stra-a-a-ange“ schmachtet und drauf „pa-a-a-age“ reimt, als könne die Stimme den Sehnsuchtsschmerz nicht mehr ertragen.

          Da fragt man sich dann schon, wie die Urheber von derlei perfekt instrumentierten Schmonzetten mit dem Prädikat „art rock“ versehen werden konnten: verkünstelte Spielereien sind keineswegs die Sache von „The Moody Blues“, diese Gruppe zielt unmittelbar auf die Herzgegend. Von den Altvorderen sind noch „Nights in White Satin“-Komponist Justin Hayward (Gitarre und Gesang) und Greame Edge (Schlagzeug) dabei, hinzu kommen als Tour-Musiker die Flötistin Norda Mullen, Julie Ragins und Paul Bliss an den Keyboards sowie Gordon Marshall als zweiter Drummer. Sie erzeugen einen üppigen Sound, der ganz dem Geist der „Moody-Blues“-Glanzzeit entspricht. Mehr kann man nicht verlangen.

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