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„The Full Monty“ : Ganz oder gar nicht

Einmal den „Chippendales” den Rang ablaufen: Szene mit A. Sapara,T. Giling und K. Milnes (von rechts nach links). Bild: Anja Kühn

Männer strippen für mehr Selbstbewusstsein: Am Frankfurter English Theatre hat Ryan McBryde „The Full Monty“ höchst unterhaltsam als Musical in Szene gesetzt.

          Vor zwölf Jahren amüsierte sich ein Millionenpublikum köstlich über die Geschichte einiger arbeitsloser Stahlarbeiter im englischen Sheffield, die als männliche Stripper nicht nur ihre Geldbeutel füllen, sondern auch ihr verloren gegangenes Selbstwertgefühl wiederfinden wollten und dafür bereit waren, es, oder besser ihn, allen zu zeigen. Eben „Ganz oder gar nicht“. So lautet der deutsche Titel der hinreißenden britischen Filmkomödie „The Full Monty“, die sich vom anfänglichen Tipp zum internationalen Kassenmagneten entwickelte, die auch noch mit den wichtigsten „Oscars“ geadelt worden wäre, hätte nicht James Cameron im selben Jahr die „Titanic“ vom Stapel gelassen.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Materialschlacht hatte „The Full Monty“ aber voraus – dank des charmanten Drehbuchs von Simon Beaufoy nach einer Idee von Paul Bucknor – auch auf den Bühnenbrettern zu funktionieren, wovon zumindest in Deutschland ein jedes Jahr aufs Neue gespieltes Theaterstück kündet. Hier noch nicht gezeigt wurde hingegen die Musical-Version von „The Full Monty“, die im Oktober 2000 Premiere am Broadway hatte und immerhin 770 Aufführungen erlebte. Auf diese Zahl wird Ryan McBrydes Inszenierung des Musicals im English Theatre Frankfurt nicht kommen, was aber allein dem Spielplan geschuldet ist, der im kommenden Frühjahr noch einige Produktionen vorsieht. Hatte McBryde schon im vergangenen Jahr mit seiner teils grimmigen Deutung des Musicals „Hair“ im English Theatre nicht nur einen großen Erfolg gefeiert, sondern zudem gezeigt, wie sich die verhältnismäßig kleine Bühne auch bei eigentlich nach Raum verlangenden Stücken adäquat bespielen lässt, dürfte er sich nun selbst übertroffen haben.

          Ein Muster an Timing

          War im Vorfeld noch von einer völlig verunglückten Generalprobe zu hören, bot die Premiere geradezu ein Muster an Timing und im ersten, immerhin 80 Minuten langen Akt ein derart flottes Tempo, dass die Pause fast schon unpassend und das beseelt aufspielende Ensemble etwas ausgebremst wirkte, bevor die nötige Betriebstemperatur nach einigen Minuten des zweiten Akts wieder erreicht war.

          Terrence McNallys Buch zur Musical-Version von „The Full Monty“ hält sich eng an die Filmvorlage, auch wenn die Geschichte nicht in Sheffield, sondern in der amerikanischen Stadt Buffalo spielt, was im Falle der Frankfurter Inszenierung gewiss den Weltgeist freuen dürfte, weil die meisten der Darsteller aus England und Wales kommen, deren Sprachmelodie nicht unbedingt nach Upstate New York klingt. Einfach den Ort auszutauschen geht aber nicht, weil die hörenswerten Texte von David Yazbeks Liedern sich auf amerikanische Verhältnisse beziehen.

          Skurrile Charaktere

          Diese Texte transportieren viel vom Witz der Filmvorlage, weisen mit Versatzstücken aus Popsongs etwa von Carole King oder den Hollies auf verfremdete musikalische Zitate in den an amerikanischem Gebrauchsrockpop orientierten Songs hin, die gewiss nicht zu Singles-Hits taugen, aber dafür nicht vom Plot ablenken, sondern nette Abwechslung in der Geschichte um Jerry Lukowskis (Mark Powell) Plan sind, mit seinen Kumpels wenigstens einen Abend lang den „Chippendales“ den Rang abzulaufen.

          Den teils skurrilen Charakteren, die von den 14 Darstellern auf der Bühne vorgeführt werden, bei ihren geistigen und körperlichen Verrenkungen zuzusehen ist ein Spaß, der der Filmversion in nichts nachsteht. Der Spaß geht einher mit der Faszination, die von Diego Pitarchs Bühnenbild ausgeht, das mit wenigen Griffen vom Hochofen zum Waschraum zum Wohnzimmer zur Straße und zur Auftrittsbühne umgebaut ist und außerdem geschickt die Band um den musikalischen Direktor Thomas Lorey versteckt. Ganz im Gegensatz übrigens zu den nackten Tatsachen, die das Stück ja schon im Namen verspricht. Ob der Monty aber wirklich in full zu sehen ist, muss jeder selbst herausfinden.

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