https://www.faz.net/-gzg-9ybz5

Teenager in der Corona-Krise : Memes, Snaps und virtuelles Zirkeltraining

Virtuell-real: Ob Sport oder E-Sport, ein Laptop gibt etwa für Jugendliche in diesen Corona-Tagen eine Menge Abwechslung her Bild: dpa

Heiterkeit dringt aus den häuslichen Nischen, in die die Teenager geflohen sind, um der Nähe der Eltern zu entfliehen. Insofern hat sich ihr Leben in der Corona-Krise nicht wirklich geändert. Ansonsten hilft virtuelles Zirkeltraining.

          1 Min.

          Sie lachen. Immerhin. Nur nicht über die Videoschnipsel, die wir ihnen schicken und urkomisch finden. Vielleicht wollen sie einfach nicht, dass elterliche Whatsapp-Nachrichten ihre Handys verseuchen. Sonst aber kriegen sie sich gegenwärtig am Smartphone kaum ein, wenn sie mit ihren Freunden chatten, quatschen, Memes austauschen oder auf Instagram und Snapchat irgendetwas aufploppt, das sie wahnsinnig witzig finden. Unbändige Heiterkeit dringt aus den häuslichen Ecken und Nischen, in die sie geflohen sind, um der erbarmungslosen Nähe der Erziehungsberechtigten zu entfliehen.

          Insofern hat sich das Leben der Teenager nicht wirklich geändert, sie hingen schon früher am liebsten an den Geräten, den Kopf abgeknickt, aufs Display blickend, den Daumen allzeit bereit, um Zeichen in den virtuellen Raum zu schicken, in dem all ihre Generationsgenossen wohnen. Auch wenn sie sich, damals vor dem Virus, im realen Leben begegneten und wir, sobald sie wieder zu Hause waren, leicht ängstlich fragten, was sie denn so gemacht hätten, war die Antwort oft: „Gespielt.“ Jeder für sich an den digitalen Maschinchen.

          Was so alles keine Option ist

          Aber das ähnelte wenigstens unserer Vorstellung von Kindheit und Jugend: Abhängen mit Freunden, irgendeinen Blödsinn veranstalten. Im Augenblick keine Option. Ebenso wenig wie Fußball oder Zumba. Dabei wechselt sich in dieser Lebensphase häufig apathisches Faultierverhalten mit heftigstem Bewegungsdrang ab. Da hilft nur der Laptop mit den Zirkeltrainingsvideos der in der realen Welt geschlossenen Fitnessstudios. Zu Jogging rund um den Block sind die Jugendlichen dagegen nicht bereit. Das sei zu langweilig, sagen sie.

          Abenteuerlust jedoch ist ihre Sache auch nicht. Verbotenerweise sich mit mehreren treffen? Lieber nicht. Zu gefährlich. Sie akzeptieren die harten Kontaktsperre-Regeln. Wo sie das alles doch deprimieren müsste. Also sollen sie sich ruhig stundenlang ins Bad oder unter die Terrasse zurückziehen, um sich dort scheckigzulachen über Dinge, von denen wir keine Ahnung haben. Schließlich ist nichts natürlicher in diesem Alter, als sich von den Erwachsenen abzusetzen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Corona und der blaue Himmel

          Forschung aus Rhein-Main : Corona und der blaue Himmel

          Wegen der Corona-Krise ist der Verkehr am größten deutschen Flughafen gedrosselt. Nun wollen Forscher aus Frankfurt und Mainz die Auswirkungen auf die Umwelt untersuchen.

          Topmeldungen

          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.