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Techno-Produzent Hildenbeutel : Eine Frage der Technik

  • -Aktualisiert am

Heimlicher Helde der deutschen Elektronikszene: Ralf Hildenbeutel Bild: Ute Hildenbeutel

Techno in Frankfurt: Der Produzent Ralf Hildenbeutel gehört zu den heimlichen Helden der deutschen Elektronikszene.

          Im Gegensatz zu seinen Kollegen Sven Väth und Chris Liebing wird Ralf Hildenbeutel selbst in seiner Heimatstadt Frankfurt auf der Straße selten von Passanten erkannt. Dabei gehört auch er zu den nachhaltig prägenden Figuren der hiesigen Technoszene. Mit Projekten wie Odyssee of Noises (sic!), Curare und Earth Nation, vor allem aber mit den Sven Väth-Alben „Accident in Paradise“ (1992), „Barbarella – The Art of Dance“ (1992) und „The Harlequin, The Robot and The Ballet-Dancer“ (1994) trug der Komponist, Musiker und Produzent maßgeblich zur Entwicklung des melodisch-druckvollen „Sound of Frankfurt“ bei.

          Dem Team Väth/Hildenbeutel gelang der Spagat zwischen clubtauglichen Techno-Tracks und weitschweifig-sphärischen Stücken wie „L’Esperanza“, und so setzten die beiden Frankfurter in den neunziger Jahren musikalische Maßstäbe weit über die Tanzflächen in Deutschland hinaus. Schon damals spielte das Party-Paradies Ibiza in Väths Kalkül eine wichtigere Rolle als die Überlegung, ob sein Sound auch in Berlin oder London gefallen würde. Letzteres ergab sich dann von selbst, auch dank der kongenialen Klangtexturen, mit denen Ralf Hildenbeutel die harten Beats zu verkleiden wusste. Trance nannte man diesen Sound.

          „Konventionell und klassisch“

          Als der Musiksender Viva dann Hildenbeutel im Sommer 1996 mit dem Musikpreis „Comet“ in der Sparte „bester Produzent“ auszeichnete, schien er selbst genauso überrascht wie das Publikum. Schüchtern nahm er die Trophäe entgegen und war mit einem gehauchten „Dankeschön“ auch gleich wieder von der Bühne verschwunden. In seinem natürlichen Lebensraum, dem Studio im Frankfurter Nordend, wirkt er heute sehr viel entspannter, auch wenn es den Anschein hat, als wundere er sich rückblickend noch immer über seinen musikalischen Werdegang.

          „Konventionell und klassisch“ habe alles angefangen, erinnert er sich: „Klavier mit neun, inklusive Musiktheorie, mit vierzehn kam das erste Keyboard, mit 20 habe ich erste Demo-Studio-Sachen gemacht.“ Sein musikalischer Kosmos bestand zunächst aus Klassik, Rock und konventionellem Pop, „mit der deutschen elektronischen Musik hatte ich gar nichts am Hut. So etwas wie Klaus Schulze kannte ich damals gar nicht, ein paar Kraftwerk-Nummern fand ich o.k., aber ich war kein Fanatiker in dieser Richtung“, erinnert er sich.

          Als Techno noch recht frisch war

          Aus seiner „Band-Zeit“ kennt er Matthias Hoffmann alias A.C. Boutsen und Steffen Britzke, besser bekannt als Stevie B-Zet, die dann wie er selbst zu Studio-Tüftlern wurden. „Damals war das Techno-Ding ja noch recht frisch“, so Hildenbeutel: „Innovativ, eine Bewegung wie der frühe Rock’n’Roll. Da gab es Kids, die hatten zuhause drei Maschinen und keinen Plan von Musik. Die haben einfach gemacht, und dadurch hat sich ein ganz eigenständiges Ding entwickelt.“ Viele der Kids verschwanden bald wieder in der Versenkung, Hildenbeutel und seine Freunde sind immer noch da. Nachdem ihr „Heimatlabel“ Eye Q Records nach Berlin gezogen und kurz darauf pleite gegangen war, firmierten Hildenbeutel, Hoffmann und Britzke kurzerhand um: „Schallbau“ wurde schnell zur Marke für anspruchsvolle Produktionen verschiedenster Genres, darunter Drum&Bass- und „Intelligent Techno“-Stücke unter eigenem Namen wie auch Pop-Alben von Laith Al-Deen, Yvonne Catterfeld und Andreas Bourani.

          Parallel dazu wandte sich Hildenbeutel der Filmmusik zu, einem Metier, dem er bis heute treu geblieben ist. Er vertonte Komödien wie „Ausgerechnet Sibirien“ mit Joachim Król und – zusammen mit Steffen Britzke – einige Folgen der ZDF-Serie „Kommissarin Lucas“, aber auch die gefeierte italienische Mafia-Serie „Maltese“. Ganz nebenbei entstand im Jahr 2015 mit „Moods“ ein vielschichtiges Soloalbum, das nahezu alle Facetten seines Schaffens vereinte: Melancholische Meditationen wie „Curious“, dunkle, kantige Klangskulpturen wie „Fall“ und nebulöse nächtliches Stimmungsbilder wie „Misty“.

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