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Tanzfestival Rhein-Main : Mit Club-Loops aus Stöhnen und alpinem Jodeln

Da meckert das Schaf, oder? Illustration zu „Strange Loops“ im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main Bild: Mousonturm

Wenn Techno-Rhythmen und Bausteine des Jodelns wiederholt und verbunden mit wildem Zucken, in Richtung Ekstase und Sex wandeln: Das Tanzfestival Rhein-Main holt Musik auf die Bühne.

          2 Min.

          Die ersten fangen an zu tanzen, kaum haben sie das Studio im Frankfurter Mousonturm betreten. Jana Sotzko hinter den Techno-Laptops macht das gut, vor allem gegen Ende, wenn aus allem, was in den 50 Minuten live zu hören war, aus Stöhnen und original alpinem Jodeln neue Club-Loops werden.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          So heißt das Ganze auch, „Strange Loops“. Hannah Shakti Bühler und Laura Hicks, die seit einigen Jahren in Frankfurt als Duo Hicks & Bühler zusammenarbeiten, beschäftigen sich mit ineinandergreifenden Sound- und Bewegungsschleifen, ihrer strukturellen Ähnlichkeit und den Bildern, die sie heraufbeschwören können. Die Performance bringt Techno und Tanz mit Jodeln zusammen, der Frankfurter Jodlklub ist mit Liese Lyon und Johanna Milz an „Strange Loops“ beteiligt. Zwei tanzende Jodlerinnen, zwei jodelnde Tänzerinnen, das ist auch für etliche Lacher gut. Zumal wenn die Techno-Rhythmen und die Bausteine des Jodelns, das „Ham“ und „Ui“ und „Di“, wiederholt und verbunden mit wildem Zucken, in Richtung Ekstase und Sex wandeln. Das Morphen von einem auch sozialen Zustand in den nächsten ist reizvoll anzusehen im durch eine schöne Lichtregie (Zina Matheke) zur stickigen und düsteren Höhle umfunktionierten Studio.

          Der Tanz übersteigt sich selbst

          Der kurzen Show allerdings, die heftig bejubelt wurde als erste und regionale Uraufführung des vierten Tanzfestivals Rhein-Main, fehlt im Konzept wie im Tanz das Stringente, Zwingende, auch im Diffusen noch Klare, das viele der ersten Festivalabende ausgezeichnet hatte. „Strange Loops“ passt aber zu einem unüberhörbaren und nicht zu übersehenden Schwerpunkt des Festivals: der Musik, die zurück zum Tanz kehrt. Getreu dem Festivalmotto „Moving Beyond“ übersteigt sich der Tanz da geradezu selbst. Wundervoll zu erleben war das bei „Dance of the Sun“ mit der von Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola in Bewegung versetzten Geneva Camerata, die der Musik wie einem Sonnenkönig huldigte, die tänzerischen Grundlagen in der Rhythmik Lullys ebenso hervorkehrte wie das zutiefst Menschliche in Mozarts Symphonie Nr. 40 g-Moll.

          Eine phantastische Raumklangerfahrung war das und ein grundlegend durchdachtes Stück Choreographie, wie es auch Flora Detraz gezeigt hatte, mit „Muyte Maker“ und ihren vier Performerinnen, die, an einem Tisch sitzend, kletternd, jaulend und grimassierend, a cappella derbe Renaissancelieder sangen und mit ihren Körpern, kritisch und witzig, eine ganze Welt aufschlugen. Ebenfalls eine eher kleine Arbeit, aber so fein und genau, gescheit und musikalisch, dass man gespannt sein darf auf die zweite Festivalhälfte. Da tanzt neben anderen die Fokus-Künstlerin Lisbeth Gruwez Bob Dylan.

          „Strange Loops“ ist an diesem Donnerstag (7. November) noch einmal von 19 Uhr an im Mousonturm zu sehen, „Lisbeth Gruwez dances Bob Dylan“ am 9. November in der Wartburg Wiesbaden.

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