https://www.faz.net/-gzg-y5w7

Susanna Majuri : Fantasie und Wirklichkeit

Susanna Majuri, Kultakolikot. Bild: Majuri

Schwerelose Mädchen unter Wasser: Arbeiten von Susanna Majuri in der Frankfurter Galerie Adler.

          2 Min.

          Wasser, Wasser, Wasser. Eine Quelle, ein Pool, das Meer. Schon vor drei Jahren, als sich Susanna Majuri erstmals in der Frankfurter Galerie Adler (Hanauer Landstraße 134) vorstellte, war die Affinität der jungen finnischen Fotokünstlerin für das flüssige Element nicht zu übersehen. Mädchen, die im roten Abendkleid zu einem Leuchtturm waten, wie Feen im Zauberreich die Reisenden am Ufer eines Flusses grüßen oder gar als Wasserleiche bildschön im türkisfarbenen Wasser eines Schwimmbads treiben. Immer näher sind ihre – vorwiegend weiblichen – Protagonisten dem Nass allmählich gekommen, und so nimmt man es beinahe schon für selbstverständlich, dass all die wunderlichen Geschichten, die Majuri in ihren Bildern inszeniert, in den aktuellen Arbeiten gänzlich unter Wasser spielen. „Ich möchte zeigen“, sagt die 1978 geborene Künstlerin, „dass man Fantastisches auch ganz in der Nähe finden kann. Fiktion vermischt sich mit unserem Leben.“ Und Photoshop, ist man versucht hinzuzufügen, macht's möglich.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Da treibt ein Schwimmer schwerelos über eine wie im Meer versunkene, indes zugleich auch winterlich verschneite Landschaft, dort sagen sich eine Schöne im himmelblauen Kleid und ein Eisbär gute Nacht, und als sei das alles nicht genug der Traumgesichte, bewegt sich eine weitere der jungen Frauen mit einem Schwarm von Wasservögeln durch eine märchenhafte Unterwasserwelt. Allein, nichts ist hier wie es scheint, kaum etwas, wie es sich darstellt.

          Ein Trompe-l'œil wie in der Malerei

          Weder sind die Geschichten eindeutig, noch ist es die Technik. Zwar fotografiert Majuri, die als Absolventin der „University of Art and Design“ der „Helsinki School“ zugerechnet wird, schon seit Jahren ausschließlich digital. Und der Computer ist ihr in der Tat ein selbstverständliches Werkzeug im künstlerischen Prozess. Doch die Fotografie ist im Grunde „straight“. Und die Inszenierung, ja selbst die märchenhaft-surrealen Bühnenbilder, durch die Majuris stille Heldinnen schweben, sind allenfalls insofern manipuliert, als sie aus einem anderen Zusammenhang, aus Werbung, Märchenbüchern und dergleichen stammen und von der Künstlerin, auf Wachstücher vergrößert, gleichsam in Schwimmbädern versenkt werden.

          Das ist dann auch schon alles. Im Kern also ist die Welt, wie wir sie in diesen Bildern sehen, zwar ganz und gar fantastisch, als solche aber analog. Ein Trompe-l'œil wie in der Malerei. „Die Fantasie“, sagt denn auch Majuri, „ist in Wirklichkeit gegenwärtig.“ Das mag manchem Betrachter eher nüchternen Gemüts womöglich doch ein wenig mädchenhaft versponnen klingen, allein: In Anbetracht der Bilder ist man nach anfänglichem Zögern doch geneigt, das große Wort zu unterschreiben. In der Kunst, immerhin, scheint es bisweilen wahr.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.