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Suhrkamp-Verlag : Zwei Wochen für Wahl zwischen Umzug und Kündigung

Trotz aller Proteste aus der Belegschaft - ausgedrückt etwa durch diesen Aufkleber - zieht Suhrkamp nach Berlin Bild: Florian Sonntag

Der Betriebsrat und die Geschäftsführung des Suhrkamp-Verlags haben sich auf einen Sozialplan für die Mitarbeiter des Unternehmens geeinigt. Bis zum 17. April haben die Angestellten Zeit, sich für einen Arbeitsplatz am künftigen Standort in Berlin zu entscheiden. Alternative: der Verlust der Stelle.

          Der Betriebsrat und die Geschäftsführung des Suhrkamp-Verlags haben sich auf einen Sozialplan für die Mitarbeiter des Unternehmens geeinigt. Wolfgang Schneider, Vorsitzender des Suhrkamp-Betriebsrats, sprach von „zähen Verhandlungen teilweise bis in die Nacht“. Der mittlerweile allen Mitarbeitern zugestellte Sozialplan soll die Auswirkungen des für Anfang 2010 angekündigten Verlagsumzugs nach Berlin abfedern.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allen Angestellten des Verlags hat die Geschäftsführung nach Worten Schneiders inzwischen auch Änderungskündigungen zugehen lassen. Sie verbinden die Auflösung des bestehenden Arbeitsverhältnisses mit dem Angebot eines neuen Arbeitsvertrags, der dieselben Bedingungen wie der alte enthält, aber nur für den neuen Verlagsstandort Berlin gilt. Bis zum 17. April haben die Angestellten Zeit, sich für oder gegen das Angebot zu entscheiden. Diejenigen Mitarbeiter, die auf das Angebot eines Arbeitsplatzes in Berlin bis Ende nächster Woche nicht eingehen, verlieren ihre Stelle beim Verlag.

          Er wage keine Prognose darüber, wie viele der etwa 130 Mitarbeiter sich für den Umzug nach Berlin entscheiden würden, sagte Schneider. Dem Betriebsrat sei daran gelegen gewesen, sowohl für die umzugswilligen als auch für die an Frankfurt gebundenen Mitarbeiter finanzielle Nachteile auszugleichen. „Die Reaktion auf den Plan war erst mal positiv, bei beiden Interessengruppen.“ Für Mitarbeiter, die nach Berlin gehen, gibt es Umzugsbeihilfen, für ausscheidende Kollegen Abfindungen in unbekannter Höhe. Wer nach Berlin geht, hat zudem ein halbes Jahr Zeit, sich für einen endgültigen Umzug oder für das Pendeln zwischen Frankfurt und Berlin zu entscheiden. „Es wird viel Geld bewegt.“

          Die Mitte Februar aufgenommenen Verhandlungen über den Sozialplan hätten nach mehreren Gesprächsrunden zunächst für gescheitert erklärt werden müssen, erläuterte Schneider. Dann sei eine Einigungsstelle eingerichtet worden, die aus je drei Vertretern beider Seiten bestanden habe und unter dem Vorsitz eines im Ruhestand befindlichen Arbeitsrichters zu weiteren Verhandlungen zusammengekommen sei. Die nun erreichte Einigung hätten Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam erzielt. „Die Einigungsstelle musste keinen Spruch fällen.“

          Als Stichtag für den Umzug gilt Geschäftsführung und Betriebsrat laut Schneider derzeit der 1. Januar 2010. Geplant sei, den Betrieb des Verlags am 2. Januar an seinem neuen Sitz in Berlin wiederaufzunehmen. Ob die Angestellten an ihrem ersten Berliner Arbeitstag wie geplant das Nicolaihaus an der Brüderstraße südlich des Schlossplatzes aufsuchen werden, steht nach Aussagen aus dem Verlag weiterhin nicht endgültig fest. Unterdessen sind dem Vernehmen nach mehrere Sitzungen der Verlagsgesellschafter zunächst angesetzt, dann aber wieder abgesagt worden.

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