https://www.faz.net/-gzg-aadwq

Lebt in Frankfurt: Jo van Nelsen ist Stimmkünstler, Regisseur und Autor. Bild: Wonge Bergmann

Jo van Nelsen : Wie es mir als Stimmkünstler in der Pandemie geht

  • -Aktualisiert am

Vor Corona hat sich der Stimmkünstler Jo van Nelsen oft mehr Ruhe gewünscht. Jetzt erschreckt er manchmal, wenn er nach zwei Tagen nicht reden plötzlich seine eigene Stimme wieder hört.

          1 Min.

          Ich warte. Auf Entscheidungen. Auf Perspektiven. Auf Lichtblicke. Die schaffe ich mir oft selber. Eigentlich jeden Morgen. Mit einer Kanne Earl Grey Tee und einem guten Buch, manchmal einer Platte vom Grammophon. Das ist die Konstante. Auch schon vor Corona. Vor der Pandemie musste ich diese halbe Stunde mit der ersten Tasse Tee oft dem Alltag abtrotzen. Ich hasse es, aufzustehen und sofort in den Tag starten zu müssen. Zwei Stunden für mich vorm ersten Termin, das ist das Ideal.

          Und plötzlich ist da kein Termin mehr. Keiner wartet auf mich an einem Ort irgendwo in Deutschland, keine Veranstalter:innen, kein Publikum. Es ist von jetzt auf gleich – still. Auch das hab ich mir vor Corona oft gewünscht. Jetzt erschrecke ich, wenn ich nach zwei Tagen nicht reden plötzlich meine eigene Stimme höre. Eine Stimme, die ich gerade auch nicht mehr trainiere, obwohl sie mein Werkzeug zum Broterwerb ist. Weil es mich traurig macht, wenn ich mich singen höre. Weil ich nicht weiß, wann ich sie wieder wirklich einsetzen darf.

          Momentan höre ich mich nur noch auf alten Aufnahmen – Mitschnitten meiner Lesungen, die ich schneide und abmische und auf meiner Homepage als Hörbücher anbiete. Und auch da werde ich manchmal traurig, wenn ich das Publikum lachen höre, weil es schon so lang her ist. Aber es macht mich auch stolz und glücklich, dass ich es schaffe, dieses Publikum zum Lachen gebracht zu haben – und manchmal auch mich selbst. Wann das alles wieder möglich sein wird – die Hoffnung schwindet allmählich. Nein, heute habe ich keinen guten Tag. Da ist es dann so grau in mir wie auf dem Foto grade draußen. Ich hoffe auf den Frühling, das Blühen, die Wärme und dass Open Air vielleicht wieder für uns Künstler mehr möglich sein wird. Bis dahin trinke ich Tee, lese, höre eine Platte vom Grammophon...

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mit Bühnennebel wird die Ausbreitung von Aerosolen in der Luft simuliert.

          Aerosole und Corona : Das Virus lauert in Innenräumen – nicht im Freien

          Ansteckungen finden drinnen statt, Abstand garantiert keine Sicherheit, Kaffeekränzchen im Wohnzimmer sind gefährlicher als Restaurantterrassen: Experten für Aerosole – Luftgemische, in denen auch das Coronavirus schwebt – fordern bessere Aufklärung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.