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„Sterberaum“ im Staatstheater : Der maximale Abstand

  • -Aktualisiert am

Das Ende der Performance: „Sterberaum“ im Staatstheater Darmstadt Bild: Benjamin Weber

Das Hessische Staatstheater Darmstadt zeigt das Kunstwerk „Sterberaum“ von Gregor Schneider. In seiner monströsen Sperrigkeit verstärkt es den Klang der Stille, der sich über die Kultur in Corona-Zeiten gesenkt hat.

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          Stillstand. Das Ende des Performativen. Eine gespenstische Ruhe. Wer derzeit auf die Website des Hessischen Staatstheaters Darmstadt geht, erhält Einblick in eine finale Situation. „Sterberaum“ ist der Titel eines Kunstwerks von Gregor Schneider, einer Installation mit architektonischen Versatzstücken, die vor ziemlich genau zehn Jahren zum ersten Mal gezeigt wurde, aber als Gerücht noch älter ist. Nun hat die Arbeit, die sonst imstande war, im hektischen Kulturbetrieb für Irritation zu sorgen, eine unverhoffte Aktualität gewonnen, indem sie der gegenwärtig allenthalben spürbaren Verunsicherung einen Resonanzboden bietet. In ihrer nachgerade monströsen Sperrigkeit verstärkt sie den Klang der Stille, der sich über die Kultur in Corona-Zeiten gesenkt hat, und bringt die Vereinzelung, die mit der Pandemie einhergeht, in Reinform zum Ausdruck. Zwar sind die Menschen im Tod alle gleich, aber er pickt jeden einzeln heraus. Sich der Endlichkeit entgegenzustemmen mag ein gemeinschaftliches Erlebnis sein, aber letztlich stirbt jeder für sich allein. Und nach dem Sterben kommt der maximale Abstand. Zwischen Leben und Tod herrscht die vollkommene Distanz. Tertium non datur. Keine Vermittlung, nirgends.

          Der 1969 in Rheydt geborene Künstler wurde mit dem „Haus u r“ bekannt, einem verschachtelten und verbastelten Gebäude in der Unterheydener Straße in Mönchengladbach-Rheydt, wobei „u“ und „r“ für Unterheydener Straße und Rheydt stehen. Doppelte Böden, merkwürdige Einbauten, Hohlräume, verwirrende Gänge: Mit einer Version dieses Hauses, aus dem er Teile nach Venedig transportierte, gewann er 2001 den Goldenen Löwen der Biennale in der Lagunenstadt. „Totes Haus u r Venedig“ nannte er damals die Einbauten im deutschen Pavillon, die auf viele bedrückend und spukhaft wirkten. Immer wieder hat sich Schneider seither mit Architektur auseinandergesetzt, die für ihn nichts Bergendes und Schützendes hat und schon gar keine heimeligen Gefühle erzeugen soll. Im Gegenteil: Er lässt das Unheimliche frei, das in unseren Behausungen wohnt, während wir vielleicht denken, uns gemütlich einrichten zu können. Die Geister müssen nicht erst gerufen werden, sie sind längst da und bleiben es. Auch in Bauten, die nüchtern sein möchten und einer strengen Moderne verpflichtet sind, wie die herrschaftlichen Häuser, die Mies van der Rohe in Krefeld entworfen hatte. Schneider nimmt auf sie Bezug.

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