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Museum für Moderne Kunst : Bilderwelten wie Überfälle

Stéphane Mandelbaum, Composition (figure au masque) (ca. 1980) Bild: MMK/Sammlung Ariéh Mandelbaum

Stéphane Mandelbaum hatte ein kurzes, wildes Leben und schuf wilde Kunst. Nun ist sein Werk im Tower des Museums für Moderne Kunst Frankfurt zu sehen. Es sind Zeichnungen, die wie Überfälle wirken.

          2 Min.

          Flashback in die Achtzigerjahre. „Punk“ brüllt es gleich von mehreren Blättern, der halslose Hugo mit dem ausrasierten Halb-Irokesen stiert vor sich hin von links nach rechts, ins Nichts. „Punk Tuck“ heißt das von einer Wimmelzeichnung umgebene Porträt von 1984. Berliner Subkultur, türkische Flagge, Porno mit hebräischer Schrift, eine Ansammlung von Symbolen, Text, Bildausschnitten bilden eine Überfülle im unteren Drittel des Papiers, die einen in der Betrachtung überfällt, als werde man an einer roten Ampel seiner Brieftasche beraubt.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Die Zeichnungen von Stéphane Mandelbaum (1961–1986) wirken beinahe alle wie Überfälle, seine Porträts extrem groß für Bleistift- oder Filzstiftzeichnungen. P. de Max (1984) etwa, der auch auf dem Ausstellungsplakat zu sehen ist, begrüßt mit starrem Blick und hängendem Mundwinkel die Besucher in der Tower-Dependance des Museums für Moderne Kunst – ein riesiges Porträt, die Nase schief, das eine Auge verdeckt durch eine Haarsträhne, aber man argwöhnt, wie beim Bild von Meknil gleich daneben, dass da womöglich gar kein zweites Auge ist. Und wie Mandelbaums Selbstporträts haben fast alle seine Porträtierten seltsam knubbelige, breite Nasen, als hätte sie, die Frauen, oft Prostituierte, eingeschlossen, im Boxring gestanden.

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