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„Frau aus dem Michelangelo“ : Prostituierte eines einzigen Mannes

Szene aus „Die Frau aus dem Michaelangelo“ im Stalburg Theater Bild: Niko Neuwirth

Es passiert nicht viel auf der Bühne. Zudem macht es das Stück seiner Heldin nicht leicht. Aber es nimmt einen gefangen: Eric Assous’ Komödie „Die Frau aus dem Michelangelo“ im Stalburg Theater in Frankfurt.

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          So kann es gehen. Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Impertinent, das wohl, hielt er sie doch für eine Prostituierte und bot ihr, ohne rot zu werden, eine Menge Geld. Seltsam reizvoll aber auch, vielversprechend und überaus charmant. Und, wie gesagt, ohnehin ganz harmlos. Immerhin ist sie verheiratet, hat eine Tochter und eine wunderschöne Wohnung in Paris, und nur weil sie mal allein in einem hautengen cremefarbenen Kleid in einer Bar. . . Welche Dreistigkeit. Nun ja, so was kommt vor. Selbstverständlich hat sie ohne Zögern abgelehnt. Dann gezweifelt und alsbald bereut. Und schließlich eine weitere Begegnung provoziert.

          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Neun Monate ist das jetzt her. „Seit neun Monaten bin ich verrückt nach ihm“, heißt es gleich nach der Pause. „Seit neun Monaten verberge ich meine Gefühle. Seit neun Monaten bin ich die Prostituierte eines einzigen Mannes.“ Und so lange schon zahlt sie das viele, durchaus lustvoll verdiente Geld auf ein geheimes Konto ein. Das ist auch schon beinahe alles in dieser leichten Komödie Eric Assous’. Und doch nimmt einen „Die Frau aus dem Michelangelo“, ein Stück, das nun, ein Jahr nach der deutschen Erstaufführung im Berliner Renaissance Theater, die Saison im Frankfurter Stalburg Theater eröffnete, von Anfang an gefangen. Dabei passiert nicht wirklich viel, und überdies macht es das Stück des vor allem in Frankreich ungemein erfolgreichen Autors seiner Heldin nicht eben leicht. Muss sie doch den Abend ganz allein tragen.

          Sexbesessene Freundin

          Die Schauspielerin und niemand sonst muss den Handlungsfaden in diesem Solo immer weiter spinnen, straffen, locker lassen, aufzwirbeln und wieder verwickeln und mithin überhaupt erzählen, was passiert. Sich dabei selbst und all die anderen Figuren – Louis-Marie vor allem, den unverschämten Liebhaber, von dem sie sich bald nicht mehr trennen kann, ihren Mann Antoine natürlich und ihre sexbesessene Freundin Florence – mit ein, zwei Strichen konturieren und zugleich in ihrem Handeln, Sehnen, Wollen, ihren Ängsten, Hoffnungen und Hirngespinsten glaubhaft bleiben. Eine Herausforderung, keine Frage.

          Doch Rainer Ewerrien, der zum ersten Mal an der Stalburg inszeniert, vor allem aber Isabel Berghout als namenlose Heldin, halten die Spannung vom ersten Augenblick an hoch. Berghout nutzt die ganze Bühne, setzt sich für ein paar stille Augenblicke ans Klavier, wechselt wieder ins Hotel und in die Bar, durchmisst den Saal vielleicht mit ein paar eleganten Schritten, gibt sich mal beinahe naiv und ist dem Publikum doch stets mehr als nur einen Schritt voraus. Und bei der nächsten Wendung sieht die Welt schon wieder gänzlich anders aus.

          Fast unmerkliches Kokettieren

          Das ist auch dramaturgisch hübsch gebaut. Vor allem aber scheint sich das Spiel, ein federleichtes, zunächst fast unmerkliches Kokettieren, wie es noch alles Flirten ausmacht, fast unmerklich vom Geschehen auf der Bühne ins Parkett hinunter fortzusetzen, ohne dass man es überhaupt bemerkt. Eine Verführung ist das recht eigentlich. Auch darum geht es schließlich im Theater. Nur mit der Auflösung hat es sich Assous dann vielleicht doch gar zu leicht gemacht. Und also muss, was für das Stück gilt, auch für diesen Abend gelten: Er ist zwar ein wenig zu harmlos, doch überaus charmant. Und, ja doch, ganz wunderbar gemacht.

          Nächste Vorstellungen am 28. und 29. September sowie am 4., 7., 11. und 26. Oktober, jeweils um 20 Uhr.

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