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Städtische Bühnen : Lieber die Theaterleute fragen

Viel Glas, tief hängende Kunst: Blick in das Wolkenfoyer der Städtischen Bühnen Frankfurt im Januar 1964 Bild: Lutz Kleinhans

Was ist bei der Sanierung der Städtischen Bühnen zu beachten? Die besten Antworten haben jene, die dort arbeiten. Auch in der Debatte über einen Umzug lohnt es sich, auf sie zu hören.

          Ein zweites Berlin, Köln oder Stuttgart soll es nicht geben. Die Schreckensgeschichten von vergeudeten Millionen und unbespielbaren Häusern führen alle Beteiligten an, wenn es um die hiesige „Theater-Doppelanlage“ geht. Die Frage nach Abriss oder Neubau aber, über die nun diskutiert wird, stellt sich den Beteiligten nicht - jedenfalls nicht, wenn sie aus der Kunstszene und aus dem Theater kommen. Dass schon mehr als ein Dreivierteljahr, bevor nur die Machbarkeitsstudie fertiggestellt sein wird, die Sanierung der Städtischen Bühnen Stadtgespräch wurde, hat die Theatermacher erstaunt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Noch befinden wir uns in der Phase null“, heißt es aus dem Hochbauamt, das als Baudienstleister voraussichtlich das Projekt managen wird, das angeblich 280 Millionen Euro kosten soll. Bauherren sind die Städtischen Bühnen - dass sie überhaupt gefragt worden sind, als mit der Machbarkeitsstudie begonnen wurde, werten Fachleute schon als einen großen Schritt in die richtige Richtung. Viele Theaterbauvorhaben in der jüngeren Zeit hatten sich offenbar deshalb verzögert und sind mit deutlich höheren Kosten verbunden gewesen, weil die komplizierten Abläufe des Theaterbetriebs zuvor nicht ermittelt worden waren.

          Als schlechtes Beispiel einer Sanierung nennt Rolf Bolwin, der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, das Schauspiel Stuttgart, bei dem es schwierige Sichtverhältnisse und eine zwar neue, aber zum Teil nicht funktionierende Technik gab. „Nur Leute, die sich mit Bau und Theater zugleich auskennen, können so etwas verhindern“, so Bolwin.

          Auf einem guten Weg

          Insofern sieht unter anderem Olaf Winter, der Technische Direktor der Städtischen Bühnen, das Frankfurter Projekt auf einem gutem Weg. Er ist der Verbindungsmann zwischen den Bau- und den Theaterfachleuten. Schon die Tatsache, dass man sich eine Machbarkeitsstudie „gegönnt“ habe, spreche für ein gründliches Vorgehen, sagt er. Und dass der Bauverlauf in diese Studie einfließen werde, dafür werde er sorgen, so Winter.

          Auf der diesjährigen Hauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins war grundsätzlich über Theaterumbauten debattiert worden. Derzeit gebe es in Deutschland viele Baustellen, „einerseits wegen verschärfter Sicherheitsvorschriften, andererseits, weil man über Jahre hinweg nichts gemacht hat“, so Bolwin. Der Bühnenverein beschäftige sich damit, „inwieweit es eine Art Handlungsanweisung geben kann für Neubau oder Sanierung“. Ratschläge sollten den Bühnen an die Hand gegeben werden.

          An der Versammlung in Kaiserslautern nahm auch der Hamburger Architekt Jörg Friedrich teil, der sich auf Theater und Opernhäuser spezialisiert hat. Er ist maßgeblich an der Frankfurter Machbarkeitsstudie beteiligt. In der Debatte hatte er sich überaus lobend geäußert: Andernorts sei es ausdrücklich untersagt, mit den Theaterfachleuten zu kommunizieren, in Frankfurt habe er „eine tolle Erfahrung“ gemacht. „Eine Menge Geld“ sei in die Studie investiert worden, aber auf dieser Grundlage könne auf Heller und Pfennig genau geplant werden, so Friedrich. Für die Machbarkeitsstudie, die derzeit erstellt werde, seien Raum für die Bedürfnisse der Theatergewerke ermittelt worden, sagt Direktor Winter. „Niemand kann behaupten, er wäre nicht gefragt worden - von der Kostümabteilung bis zum Chor.“

          Eine andere Form von Kunst

          Ein Spezialunternehmen habe eine sogenannte Nutzerbedarfsanalyse erstellt. Die sei vollständig in die Studie eingeflossen: „Wir fühlen uns da sehr gut aufgehoben“, so Winter. Bei der Sanierung der Werkstätten, die sich bis 2011 deutlich verzögert hatte und gute 60 Millionen Euro gekostet hat, habe es keine solchen vorherigen Studien oder Planungen gegeben. Schon weil sowohl diese Werkstätten als auch die Bühnen selbst intakt sind, gehen die Theaterleute von einer Sanierung am angestammten Ort aus.

          Zudem gehören zu der Studie Szenarien für den Spielbetrieb während der Bauarbeiten. Es gebe schon ein „vielversprechendes Modell“, so Winter. Offenbar soll wie bei den Umbauten der kleineren Staatstheater in Mainz und Darmstadt, die in den vergangenen Jahren saniert worden sind, ein Rotationsverfahren den Spielbetrieb ermöglichen. Schon nach dem Opernbrand von 1987 war ein solches Verfahren während der Sanierung angewandt worden. Die Alte Oper als Ausweichspielstätte zu nutzen, wie es Opernintendant Bernd Loebe kürzlich ins Gespräch brachte, halten Fachleute allerdings für fast so abwegig wie die von einzelnen Stimmen geforderte Rückführung der Oper dorthin.

          Der Intendant der Alten Oper, Stephan Pauly, kann sich allenfalls einige konzertante Aufführungen vorstellen - wie es sie dort ohnehin schon gibt. Wer über eine Ausweichspielstätte für die Oper rede, müsse bedenken, dass sie „vollgültiges Musiktheater“ ermöglichen müsse, „keine Überwinterung oder ein Parken“, so Pauly. Die Alte Oper habe weder Werkstätten noch Lager und Logistikflächen oder eine Bühnen-Obermaschinerie. „Wir sehen von außen aus wie ein Opernhaus - aber innen sind wir ein Konzerthaus mit drei Sälen, und wir vertreten eine andere Kunstform, das ist nicht kompatibel.“ Wer es wieder in eine Oper verwandeln wolle, müsse ein neues Konzerthaus bauen - und auch dann sei die Alte Oper „komplett denkmalgeschützt“, man könne sie nicht zu einem funktionierenden Musiktheater machen. Offenbar lohnt es sich auch in der Frage der Ausweichspielstätten, die Fachleute zu fragen.

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