https://www.faz.net/-gzg-yhsj

Städel : Mit 195 runden Oberlichtern in die letzte Bauphase

  • -Aktualisiert am

Tageslicht von oben für die unterirdische Kunsthalle: Blick in den Städel-Erweiterungsbau. Bild: Michael Kretzer

Der Rohbau ist fertig, der Durchbruch zum bestehenden Gebäude geschafft. Am Mittwoch war die Bauabnahme. Die Eröffnung des Städel-Erweiterungsgebäudes ist für Ende Februar 2012 geplant.

          2 Min.

          Der Rohbau ist fertig, der Durchbruch zum bestehenden Gebäude geschafft. Am Mittwoch war die Bauabnahme. Hans-Jürgen Bokler, stellvertretender Städel-Direktor, hat alles kontrolliert und für gut befunden. Nun tritt die Erweiterung des Frankfurter Städel-Museums in ihre letzte Phase. Für eine Bauaufgabe dieser Größe läuft alles nach Plan. Fast. Die Eröffnung des Erweiterungsbaus verschiebt sich um einige Monate, Ende Februar 2012 soll es soweit sein. Bisher war immer vom Herbst dieses Jahres die Rede gewesen. Und auch der Kostenrahmen wird gesprengt: Die einst angesetzte Summe von 40 Millionen Euro wird um fünf Millionen überschritten. Die Ursachen hierfür, erläuterte Städel-Direktor Max Hollein, seien unter anderen der lange harte Winter, der die Bauarbeiten verzögert habe, und einige Schwierigkeiten, die sich aus der komplizierten baulichen Situation ergeben hätten. Schließlich müsse sich der Neubau in eine bestehende Architektur einfügen, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie aus den zwanziger und den fünfziger Jahren des vorigen Säkulums stamme.

          „Beim Erweiterungsbau wollen wir ganz sicher gehen, dass alle Feuchtigkeit beseitigt ist, bevor die empfindliche Kunst einziehen kann“, sagte Hollein. So werde das Gebäude wohl schon im Herbst fertiggestellt, es brauche aber einige Zeit, bis alles trocken sei. Auf der Baustelle waren schon ganz andere Wassermassen zu bewältigen: 600.000 Kubikmeter mussten abgepumpt werden. Auch der Kampf gegen das Wasser dauerte etwas länger als vorgesehen und brachte den Zeitplan durcheinander. Trotz leichter Verzögerungen und Mehrkosten von etwa zehn Prozent sieht Hollein das Projekt jedoch auf einem „sicheren Pfad“.

          Wie ein riesiger Schuppenpanzer

          Am 7. Oktober beginnt nach Auskunft des Museumsdirektors der Eröffnungsreigen im Peichl-Bau mit der Schau „Max Beckmann und Amerika“. Am 17. November öffnet der Gartenflügel seine Pforten, am 15. Dezember der Mainflügel mit einer Neupräsentation der alten Meister. Beide Teile des Altbaus werden derzeit gründlich renoviert und technisch auf den jüngsten Stand gebracht. So wird auch der Brandschutz erheblich verbessert. In knapp einem Jahr wird nach dieser Planung der weitgehend unterirdisch gelegene Erweiterungsbau seiner Bestimmung übergeben: Hier werden neu in die Sammlung gelangte Objekte der Gegenwartskunst gezeigt, darunter ausgewählte Fotowerke aus den Kollektionen von Deutscher und DZ-Bank. Auf das Publikum warteten aber auch noch manche Überraschungen, sagte Hollein.

          Nach Auskunft seines Stellvertreters Bokler sind 92 Prozent der Bausumme, von der 31 Millionen Euro auf den Erweiterungsbau und 14 Millionen auf die Erneuerung des Gebäudebestands entfallen, schon finanziert. Allein acht Millionen Euro trägt die Stadt Frankfurt zur Renovierung von Garten- und Mainflügel bei. Für den Erweiterungsbau kommt das Geld aus einer Vielzahl von Quellen, etwa aus Spenden, für die eine breit angelegte Kampagne wirbt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte am Mittwoch bei der Besichtigung der Baustelle, das Museumsufer werde stetig weiterentwickelt. Dies betreffe nicht nur die Bauten, sondern auch die Sammlungen. An der Spitze der Häuser an beiden Mainufern stünden Städel und Liebieghaus, diese Museen lieferten auch entscheidende Beiträge zur „Volksbildung“. Das Museumsufer biete eine „einzigartige Verdichtung von Kultur- und Geistesgeschichte“.

          Von außen betrachtet wölbt sich das noch mit Schutzplatten bedeckte Dach des Neubaus wie ein riesiger Schuppenpanzer auf dem Gelände, das einmal der Städelgarten war. Im Inneren tut sich ein gewaltiger Saal mit organisch geschwungener Decke auf, gehalten von zwölf Säulen. Die 195 kreisrunden Oberlichter, durch die künftig die Tageshelle dringen wird, um Kunstwerke der Moderne zu beleuchten, sind schon eingesetzt. Das „Raumpatrouille“-Gefühl stellt sich ein: Der deutsche Science-Fiction-Klassiker über die Abenteuer des Raumkreuzers Orion aus den sechziger Jahren lieferte mit seinem futuristischen Tanztempel tatsächlich Anregungen für die Deckengestaltung, wie die Architekten Michael Schumacher und Till Schneider längst verraten haben. Michael Hierholzer

          Weitere Themen

          Ist der Wurm drin?

          Löcher im Holz : Ist der Wurm drin?

          Ein schöner alter Schrank wurde gekauft, die Löcher im Holz erst später entdeckt. Und nun? Es gibt einen einfachen Trick um herauszufinden, ob ein aktiver Holzwurm in dem Möbel steckt.

          Topmeldungen

          Entscheidung von Bundesgericht : Novak Djokovic muss Australien verlassen

          Nach tagelangem Chaos entscheiden drei Bundesrichter endgültig gegen den weltbesten Tennisspieler: Novak Djokovic darf nicht in Australien bleiben. Kurz danach kommentiert der Serbe das Urteil in einer Erklärung.